Iran-Krieg 24. Mär 2026

Spekulationen um Verhandlungen

Zerstörung nach einer iranischen Rakete in Diamona. 

Trump verschiebt Deadline; grosse Töne aus Teheran; Informationen zu türkischem Engagement als Vermittler.  

Der überraschende – oder angesichts panischer Finanzmärkte am Freitag absehbare – Schwenk von Trump am Montagmorgen löst Spekulationen aus. Der US-Präsident hatte am Samstag mit verheerenden Angriffe auf Kraftwerke und die Energieinfrastruktur Irans binnen 48 Stunden gedroht, sollte die Islamische Republik an der Blockade der Strasse von Hormuz festhalten. 

Doch dann erklärte Trump, sein Gesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner würden «sehr, sehr intensive Gespräche» führen, um den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran zu beenden. Seine Abgesandten würden «mit dem Mann, der meiner Überzeugung nach die angesehenste Persönlichkeit und der Anführer des Iran sei» verhandeln. Dabei handelt es sich anscheinend nicht um das neue geistliche Oberhaupt Mojtaba Khamenei.

Iranische Medien reagierten mit triumphalen Tönen. Es würden keinerlei direkte oder indirekte Gespräche mit Washington geführt und Trump sei «aus Furcht vor der iranischen Reaktion von seinem 48-Stunden-Ultimatum abgerückt». Der Regierungssprecher Ebrahim Rezaei bekräftigte diese Aussagen und schrieb auf X: «Trump und Amerika sind erneut zurückgewichen. Die Front rückt weiter vor. Eine weitere Niederlage für den Teufel.» Die Nachrichtenagentur Tasnim warf Trump vor, er wolle lediglich die Rohölpreise drücken und es hätten keinerlei Gespräche zur Konfliktlösung stattgefunden.

Das iranische Aussenministerium wurde jedoch mit der Aussage zitiert, Trumps Behauptungen dienten lediglich dazu, Zeit zu gewinnen, während «regionale Bemühungen zur Deeskalation fortgesetzt würden» (Link).

Wie «Foreign Policy» (FP) am Montagabend vermeldet, stehen Witkoff und Kushner jedoch womöglich doch in Kontakt mit Teheran und zwar mit dem Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Ghalibaf. Der schrieb jedoch am Montag auf X, dass «keinerlei Verhandlungen mit den USA geführt wurden» und dass Falschnachrichten verbreitet würden, um «die Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren und dem Sumpf zu entkommen, in dem die USA und Israel feststecken.» Tatsächlich sind die Öl-Preise (Brent) am Montag um über zehn Prozent auf etwa 100 Dollar pro Barrel gefallen.

Laut FP hat Trump am Montag mit Netanyahu die angeblichen Gespräche mit Iran erörtert. Der israelische Premier teilte später mit, Trump sei «der Ansicht, dass die Gelegenheit besteht, die enormen Erfolge, die wir gemeinsam mit dem US-Militär erzielt haben, zu nutzen, um die Kriegsziele durch ein Abkommen zu verwirklichen – ein Abkommen, das unsere vitalen Interessen wahren wird.» Israel werde gleichwohl Angriffe sowohl im Iran als auch im Libanon fortsetzen.

Angeblich fordert Washington nun von Teheran die «Abgabe der Kontrolle über sein angereichertes Uran» – das mögliche Waffen-Material wird in tief verbunkerten Lagerstätten vermutet und ist Gegenstand von Mutmassungen über Kommando-Unternehmen der USA (und Israels) zu dessen Bergung. Der Iran hat die Herausgabe des Materials bislang verweigert und besteht angeblich weiterhin auf dem Recht, Uran zu friedlichen Zwecken anzureichern.

Trump erklärte am Montag gegenüber CNN, die USA und der Iran hätten in 15 Punkten Einigkeit erzielt – wobei er lediglich einen Punkt konkret nannte: Teheran habe zugestimmt, keine Atomwaffen zu besitzen – ein Versprechen, das der Iran bereits in der Vergangenheit abgegeben hat.

Allerdings verdichten sich zum Montagabend Informationen aus Teheran, wonach regionale Staaten «Initiativen zum Abbau von Spannungen anböten» – ein direkter Dialog mit Washington habe jedoch nicht stattgefunden. Der iranische Aussenminister Abbas Araghchi hatte bereits am Sonntag ein Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Hakan Fidan bestätigt (Link).

Hier bringt Gregg Carlstrom, Nahost-Korrespondent des «Economist», weitere Details: Demnach lehne Teheran weitere Gespräche mit Witkoff strikt ab und wünsche den Vizepräsidenten J.D. Vance als Partner (der als Kriegs-Skeptiker gilt). Zudem habe Iran keine bedeutenden Konzessionen in der Atomfrage angedeutet und in der Region herrsche Pessimismus zu möglichen Gesprächen (Link).

Andere Quellen stellen Netanyahu als beharrlichen Kriegstreiber (bei Trump) gegen Iran dar, während «der türkische Aussenminister Fidan über die letzten 48 Stunden mit grossem Eifer eine ausserordentliche Serie von Telefonaten mit seinen Kollegen und Staatsmännern in Iran, Saudi-Arabien, Irak, Ägypten, Katar, der EU und Pakistan geführt hat, um den Krieg zu beenden» (Link).
 

Andreas Mink