USA – Politik 05. Aug 2026

Sieg und Niederlage für AIPAC bei demokratischen Vorwahlen

Ein Wahlplakat für den demokratischen Kandidaten für den US-Senat in Michigan, Abdul El-Sayed, in Kalamazoo, Michigan, Anfang August.

Die pro-israelische Organisation hatte mit über 35 Millionen Dollar in Michigan und Missouri eingegriffen.  

Bei demokratischen Vorwahl für den US-Senat in Michigan und einen Sitz im US-Repräsentantenhaus in Missouri fielen die Entscheidungen gestern Dienstag im Gegensatz zu Umfragen und Prognosen überraschend aus. In Michigan lag der linke Israel-Kritiker Abdul El-Sayed bei starker Wahlbeteiligung bei Redaktionsschluss mit rund fünf Punkten vor der Kongressabgeordneten Haley Stevens. Demoskopen hatten El Sayed noch am Wochenende bis zu 15 Prozent Vorsprung zugerechnet. Die moderate Politikerin war von der pro-israelischen AIPAC mit rund 32 Millionen Dollar unterstützt worden – eine Rekordsumme für die bei der demokratischen Basis zunehmend als rotes Tuch wahrgenommenen Lobby-Organisation.

In Missouri konnte der Amtsinhaber Wesley Bell mit überraschend grossem Vorsprung ein Comeback der ebenfalls linken und Israel-kritischen Cori Bush abweisen und wurde von der Nachrichtenagentur bereits eine Stunde nach Schliessung der Wahllokale und Auszählung von einem Viertel der Stimmen zum Sieger erklärt. Das Endergebnis wird wie in Michigan erst nach Redaktionsschluss erwartet. Der ehemalige Staatsanwalt hatte Bush selbst – bereits mit fünf Millionen Dollar von AIPAC – 2024 um das Mandat in der Region von St. Louis gebracht. Bell wurde erneut von AIPAC mit geschätzt drei Millionen Dollar unterstützt. Aufgrund diverser Schwächen von Bush wie Abwesenheiten bei Abstimmungen während ihrer Amtszeit in Washington galt Bell indes als Favorit.

Die Entscheidung in Michigan bedeutet dagegen einen herben Rückschlag für die Organisation – und wohl auch das Ansehen Israels in den USA –, die durch ihre prominente Rolle vollends zum Feindbild linker Demokraten, aber wohl auch Gegnern aus dem Dunstkreis der MAGA-Bewegung zu werden droht.

Kurz vor den Abstimmungen in Michigan hatte Stevens ihrem Herausforderer auf Social Media vorgeworfen, mit Antisemitismus zu spielen. Zuvor hatte El-Sayed AIPAC für die Unterstützung von Stevens angriffen und diese als «buchstäblich unfähigste, von AIPAC gekaufte Kandidatin in Amerika» bezeichnete. Die Kritik an Israel und AIPAC war ein zentraler Bestandteil des Arztes und Nachkommen ägyptischer Immigranten im Wahlkampf.

Viele Demokraten sehen jedoch mit Sorge, dass der von Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez massiv unterstützte «demokratische Sozialist» El-Seyed bei Umfragen für die Wahlen im November schlechter gegen den republikanischen Kandidaten Mike Collins abschneidet, als die moderate Stevens (Link). 

Angesichts des knappen Erfolgs von El-Sayed könnte die aktuelle Niederlage für AIPAC daher durchaus zu einem Debakel werden, das die Demokraten um die Rückgewinnung der Senats-Mehrheit im November – und damit die Chance bringt, Trump in die Parade zu fahren (Link).

Andreas Mink