Probleme bei der Plattform lösen Spekulationen aus.
Vergangene Woche ging das jahrelange Drama um die Zukunft von TikTok in den USA durch die Übernahme eines Mehrheitsanteils durch amerikanische Investoren zu Ende. Doch der Neustart verläuft holprig. Der Betrieb der besonders bei Jüngeren beliebten und auch politisch einflussreichen Plattform war über Tage gestört. Gestern Dienstag teilte TikTok «erhebliche Fortschritte» bei der Wiederherstellung des Dienstes mit, warnte Nutzer aber «weiterhin vor einigen technischen Problemen, insbesondere beim Posten neuer Inhalte».
Anlass genug für demokratische Politiker, um den Verdacht politischer Manipulationen zu schüren. So erklärte der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom, es sei «Zeit für eine Untersuchung. Ich leite eine Überprüfung ein, ob TikTok gegen gliedstaatliches Recht verstösst, indem die Plattform Trump-kritische Inhalte zensiert.» Newsoms Pressestelle teilte den Eingang von Berichten über unterdrückte Inhalte mit, die Präsident Trump kritisieren. Man habe diese auch unabhängig bestätigt. Daher habe Newsom – der sich für eine Präsidentschaftsbewerbung 2028 positioniert – seinen Generalstaatsanwalt Rob Bonta beauftragt, zu prüfen, ob hier Verstösse gegen kalifornisches Recht vorliegen.
Trump hat den TikTok-Deal vermittelt und mit dem Oracle-Gründer Larry Ellison ist der wichtigste Investor ein enger Verbündeter des Präsidenten. Oracle und andere, nicht-chinesische Investoren halten rund 80 Prozent des neuen Unternehmens, der Rest verbleibt bei ByteDance mit Sitz in Peking. Kritiker mutmassen, dass die neuen Investoren TikTok ein Trump-freundliches Image verpassen und die App manipulieren werden, um den Präsidenten und andere Konservative politisch zu unterstützen.
Am Wochenende schlugen Prominente wie Billie Eilish, aber auch andere TikTok-Nutzer Alarm, weil ihre Videos, die Trumps Einwanderungspolitik kritisierten, in der «Überprüfung» feststeckten oder erschreckend wenige Aufrufe erhielten. Einige der Clips handelten speziell von den tödlichen Schüssen von Grenzschützern auf Alex Pretti in Minneapolis am Samstag, die auf Social Media immense Empörung auslöst. Der demokratische Senator Chris Murphy witterte politische Einflussnahme durch die neuen Eigner und schrieb auf X von einer besonders gefährlichen «Bedrohungen für die Demokratie».
TikTok reagierte schliesslich auf die Beschwerden und führte einen Stromausfall in einem Rechenzentrum sowie die daraus resultierenden «Kaskadenfehler im System» als Ursache für verzögerte Überprüfungen an.
Gleichwohl berichten andere TikTok-Nutzer, die App verwehre ihnen das Versenden des Wortes «Epstein» in Direktnachrichten (Link).