UMFRAGE-ISRAEL 04. Dez 2018

«Schwere Gefahren» für Israels Demokratie

Eine Umfrage des Israelischen Demokratie-Instituts (IDI) ergibt, dass 75 Prozent der Linken, aber nur 28 Prozent der Rechten um ihre Demokratie fürchten.

Fast die Hälfte der israelischen Öffentlichkeit fürchtet, dass die Demokratie im Lande in «schwerer Gefahr» sei. Das geht aus einer Umfrage im Jahresbericht des Israelischen Demokratie-Instituts (IDI) hervor. Demnach stellt das IDI fest, dass 22,5 Prozent der Israeli «fest einverstanden» sind mit dieser Formulierung bezüglich des Standes der Demokratie im Lande, und 23,5 Prozent «einigermassen». Zusammengenommen machen sich also über 45 Prozent der israelischen Bevölkerung Sorgen, was die Qualität ihrer Demokratie betrifft. Die Trennung nach den Clichés rechts-links zeigt sich dabei sehr ausgeprägt. 75 Prozent der sich mit der Linken identifizierenden jüdischen Israeli fürchten um die Zukunft der Demokratie in Israel, verglichen mit 54 Prozent der Antwortenden im Zentrum und nur 28 Prozent der Vertreter des rechten Spektrums. Die Prozentsätze in allen Kategorien waren laut IDI höher als letztes Jahr. Die Resultate wurden im jährlich veröffentlichten Israelischen Demokratie-Index publiziert. 67 Prozent der israelischen Araber glauben nicht, dass die israelische Regierung ihre arabischen Bürger demokratisch behandelt. Unter den jüdischen Antwortenden glauben hingegen nur 23 Prozent, dass die arabischen Bürger unter Diskriminierung leiden würden.

Trotz allem sind 51 Prozent der Araber stolz darauf, Israeli zu sein, während die Vergleichszahl unter den jüdischen Antwortenden bei 88 Prozent liegt. Nicht unbedingt zu erwarten war, dass 47 Prozent der jüdischen Antwortenden der Meinung waren, dass Bürger, die nicht zu bestätigen gewillt seien, dass Israel der Nationenstaat des jüdischen Volkes sei, das Wahlrecht verlieren sollten. Was die Spaltungstendenzen im Volk betrifft, scheint sich dieses Jahr eine Verschiebung gegenüber früher ergeben zu haben: Erklärten früher die meisten Teilnehmer an der Umfrage, dass die  jüdisch-arabischen Beziehungen die grösste Quelle der Spannungen in der israelischen Gesellschaft seien, kristallisierten sich im diesjährigen Bericht zumindest unter jüdischen Antwortenden die Spannungen zwischen rechts und links als eine noch grössere Gefahr für eine Spaltung im Volk heraus.

Jacques Ungar