Kashoggi-Mord 04. Dez 2018

Saudischer Dissident verklagt israelische Sicherheitsfirma

Die israelische «NSO Group» hat Abhör-Technik an Saudi Arabien geliefert, die das Königreich angeblich gegen den Journalisten Jamal Kashoggi eingesetzt hat.

Bereits im August haben Journalisten und Bürgerrechtler in Israel und Zypern Klage gegen die israelische «NSO Group»eingereicht, ein weltweit führender Hersteller von Abhör-Software für Computer und Handys (Link). Anlass war der Einsatz von NSO-Produkten durch die Vereinigten Arabischen Emirate gegen Regime-Kritiker.

 

Nun hat der saudische Dissident Omar Abdulaziz in Montreal Klage gegen NSO eingereicht. Der 27-Jährige wirft der Firma die Lieferung von Abhör-Technik an Saudi Arabien vor, die dann von Agenten des Königreiches in sein Handy geschleust worden sei. Abdulaziz war mit dem saudischen Journalisten Jamal Kashoggi befreundet, der am 2. Oktober auf barbarische Weise in der saudischen Botschaft in Istanbul ermordet worden ist. Neben der Türkei und anderen westlichen Geheimdiensten geht auch die CIA davon aus, dass der saudische Kronprinz Muhammed bin Salman die Tat angeordnet hat.

 

Brisant an der Klage ist nicht zuletzt, dass NSO ihre Produkte nur mit Zustimmung der israelischen Regierung exportieren kann. Laut der «New York Times» haben die Saudis 55 Millionen Dollar für die NSO-Software gezahlt. Diese ist etwa in der Lage, bereits das Tippen von Mails oder Texten an einem Computer oder Handy in Echtzeit mitzuverfolgen

(Link).

 

Abdulaziz ist während des Arabischen Frühlings 2011 als Blogger und Aktivist gegen autoritäre Regime in Nahost bekannt geworden. In seiner Klage behauptet er, die saudische Regierung habe über sein Handy Kashoggi ausspioniert, der in engem Kontakt mit ihm gestanden habe. Im Frühjahr haben saudische Agenten angeblich auch versucht, Abdulaziz zur Rückkehr aus Kanada in das Königreich zu überreden. Aber Abdulaziz hat dies ebenso abgelehnt, wie einen Termin am saudischen Konsulat in Montreal.

 

Der Dissident hat Gespräche mit saudischen Agenten heimlich aufgenommen und seiner Klage beigefügt. Dabei wurden ihm grosse Geldgeschenke im Falle einer Rückkehr versprochen. Die Agenten machten zudem klar, dass sie im Auftrag des Kronprinzen handelten.

Andreas Mink