Jemen 06. Jan 2026

Saudi-Verbündete auf dem Vormarsch gegen Emirati-Allianz

Separatisten im Jemen. 

Gegenoffensive in den Provinzen Hadramaut und al-Mahra.  

Nach dem überraschenden Vormarsch von Kämpfern des «Südlichen Übergangsrates» (Southern Transitional Council, STC) im Südosten des Jemen haben Streitkräfte der jemenitischen Regierung mit Unterstützung Saudi-Arabiens über das Wochenende eine erfolgreiche Gegenoffensive in den umkämpften Provinzen Hadramaut und al-Mahra unternommen. Dort liegen südlich der saudischen Grenze auch Ölvorkommen. Der STC wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt und strebt eine erneute Ablösung des Südens an, während der Norden von den mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen kontrolliert wird.

Deren Hand wird durch den aktuellen Konflikt zwischen der Regierung und dem STC gestärkt. Daneben gewinnen Al-Kaida-Gruppen im Süden durch die laufenden Kämpfe grössere Spielräume. Diese arten laut der «New York Times» zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und den VAE aus.

Vergangene Woche hat Saudi-Arabien eine Waffenlieferung der Emirate für den STC im Hafen al-Makallah bombardiert. Nun konnten von den Saudis unterstützte Kämpfer die alte Weihrauch-Provinz Hadramaut zurückerobert und Stellungen in al-Mahra einnehmen.

Ein STC-Sprecher erklärte der Times in einem Telefoninterview, ihre Truppen seien «unter saudischem Beschuss zum Rückzug gezwungen» worden und hätten dabei schwere Verluste an Gerät und Kämpfern erlitten: «Al-Mahra und Hadramaut stehen nun nicht mehr unter unserer Kontrolle.»

Als die Huthi vor zehn Jahren die jemenitische Hauptstadt Sanaa eroberten, floh die international anerkannte Regierung in den Süden. Seitdem ist Jemen faktisch geteilt – mit zwei staatlichen Nachrichtenagenturen, zwei Zentralbanken und zwei unterschiedlichen Währungen. Beobachter erwarten nun eine von Saudi-Arabien einberufene Konferenz, um die Zukunft des südlichen Jemen zu erörtern. Das saudische Aussenministerium will eine solche Konferenz in der Hauptstadt Riad abhalten und mit jemenitischen Fraktionen «gerechte Lösungen für die südliche Frage diskutieren».

Der Südliche Übergangsrat begrüsste diesen Vorschlag. Jeder ernsthafte Dialog müsse jedoch mit der Anerkennung des Willens der Bevölkerung des Südens beginnen (Link). 

Die Ziele der Emirate im Jemen erscheinen unklar, könnten aber auf die Entwicklung eines Netzwerks von Verbündeten vom Golf bis hinüber nach Somaliland abzielen. Dies womöglich im Zusammenspiel mit Israel, was eine «Normalisierung» zwischen Riad und Jerusalem weiter erschweren würde (Link).
 

Andreas Mink