USA 21. Jun 2026

Ringen um die Sommerzeit

Orthodoxe Juden in den USA befürchten, dass eine dauerhafte Sommerzeit das tägliche Morgengebet erschweren würde. (Bild zur Illustration)

Orthodoxe Gemeinschaften kritisieren Gesetzesvorhaben zur dauerhaften Einführung der Sommerzeit.

Bestrebungen zur Abschaffung der Zeitumstellung zugunsten einer permanenten Sommerzeit gewinnen derzeit im US-Kongress dank der Unterstützung von Trump an Fahrt. Orthodoxe Organisationen wie Agudath Israel of America (Link) halten dagegen: eine dauerhafte Sommerzeit hätte erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Morgengebet, das bei Tageslicht stattfinden müsse und zu bestimmten Jahreszeiten erst weit nach Arbeitsbeginn abgehalten werden könnte. Zudem bestünden Sicherheitsbedenken für Kinder, die im Dunkeln zur Schule gehen.

Orthodoxe setzen sich seit Jahren gegen eine dauerhafte Sommerzeit ein. Frühere Versuche einer solchen Änderung verliefen aus diversen Gründen im Sande. Doch im Mai stimmte der Ausschuss für Energie und Handel des Repräsentantenhauses mit 48 zu 1 Stimmen dafür, einen entsprechenden Änderungsantrag in ein vorrangiges Gesetzespaket zum Landverkehr aufzunehmen. Dieses muss in den kommenden Wochen verabschiedet werden.

Trump ist persönlich an der seit Jahren wiederholt angeschobenen Reform interessiert (Link). Er spricht damit für traditionelle Befürworter einer dauerhaften Sommerzeit in der Unterhaltungs- und Freizeitbranche – etwa im Golfsport –, die in seiner Wahlheimat Florida besonders stark vertreten sind. Mediziner setzen sich aufgrund verbreiteter Probleme bei der Zeitumstellung hingegen für eine dauerhafte Normalzeit (Winterzeit) ein. Die Landwirtschaft und die Luftfahrt befürworten wie Elternvereinigungen und jüdische Gemeinschaften die aktuelle Mischform.

Agudath-Sprecher A.D. Motzen gibt gegenüber dem «Jewish Insider» zu bedenken: «Viele Kongressabgeordnete sind sich unserer religiösen Bräuche nicht bewusst und denken vielleicht gar nicht an die Sommerzeit; deshalb ist es wichtig, auf Schlüsselpersonen zuzugehen und das Thema anzusprechen.» Er habe dabei erfreulich guten Erfolg, denn viele Abgeordnete hätten bei ihrer Unterstützung des «Sunshine Protection Act» eigentlich keine starke Präferenz. 

Motzen erinnert zudem an die Erprobung einer dauerhaften Sommerzeit Mitte der 1970er Jahre, die rasch auf breite Ablehnung gestossen und wieder rückgängig gemacht worden sei. Damals habe die Umstellung auch deutliche Auswirkungen auf die orthodox-jüdische Gemeinschaft gehabt – eine Gruppe, die seither erheblich gewachsen ist und heute landesweit stärker vertreten ist. So habe es seinerzeit Synagogen gegeben, die über ein Jahrhundert hinweg tägliche Morgengebete abgehalten hätten, dann aber Schwierigkeiten gehabt hätten, zehn Männer für die Teilnahme an Gottesdiensten vor Arbeitsbeginn zu finden (Link).

Andreas Mink