London 06. Aug 2026

Antisemitismus bleibt auf Rekordniveau

Ausgebrannte Rettungswagen auf einem Parkplatz im Londoner Stadtteil Golders Green.

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Grossbritannien ist im ersten Halbjahr 2026 erneut deutlich gestiegen.

Nach Angaben der jüdischen Sicherheitsorganisation Community Security Trust (CST) wurden zwischen Januar und Juni 1'926 antisemitische Vorfälle registriert – ein Anstieg um 21 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres mit 1'598 Fällen. Es handelt sich um den zweithöchsten Halbjahreswert seit Beginn der Erfassung; nur im ersten Halbjahr 2024 wurden mit 2'019 Vorfällen noch mehr Fälle gezählt. 

Besonders stark nahm die Gewalt zu: Die Zahl körperlicher Angriffe stieg um 82 Prozent auf 135 Fälle. Antisemitische Vorfälle an Schulen erhöhten sich um 59 Prozent auf 178, während Zwischenfälle im Zusammenhang mit Synagogen um 31 Prozent zunahmen. Durchschnittlich wurden im Berichtszeitraum mehr als 320 antisemitische Vorfälle pro Monat registriert – fast doppelt so viele wie vor dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023. 

Der CST führt den neuerlichen Anstieg unter anderem auf die Eskalation des Konflikts zwischen Israel und Iran sowie auf mehrere gezielte Angriffe gegen jüdische Einrichtungen in London zurück. Dazu gehörten Brandanschläge auf jüdische Einrichtungen und Rettungsfahrzeuge sowie der Messerangriff auf zwei jüdische Männer im Londoner Stadtteil Golders Green, der von den Behörden als Terroranschlag eingestuft wird. 

CST-Direktor Mark Gardner warnte vor einer «Normalisierung» des Antisemitismus in Grossbritannien. Polizeiministerin Sarah Jones bezeichnete die Zahlen als «erschütternd» und erklärte, niemand dürfe aus Angst vor Hass seine jüdische Identität verbergen müssen. Die britische Regierung hat zuletzt zusätzliche Mittel für den Schutz jüdischer Einrichtungen bereitgestellt. 
 

Kelly Hartog