Jerusalem 11. Jan 2026

Rekordauswanderung aus Israel

Reisende am Flughafen Ben Gurion. Die Zahl der Israelis, die das Land verlassen, hat sich seit 2023 mehr als verdoppelt.  

Mehr als 150'000 Staatsbürger in zwei Jahren im Ausland

Israel erlebt eine historische Welle der Auswanderung. Laut den neuen statistischen Angaben der Behörden haben in den vergangenen zwei Jahren über 150'000 Israelis das Land verlassen, viele davon mit einfachen Flugtickets und ohne Rückkehrpläne. 

Traditionell galt für den jüdischen Staat die Zuwanderung (Alija) als zentrales demografisches und politisches Ziel. Emigration wurde lange Zeit gesellschaftlich stigmatisiert und als nationales Versagen verstanden. 

Doch die jüngste Entwicklung stellt dieses Narrativ infrage: Offizielle Daten zeigen, dass die Zahl derjenigen, die Israel für länger als ein Jahr verlassen, zum ersten Mal höher ist als die Zahl der Rückkehrer. Im Jahr 2025 verliessen nahezu 70'000 Menschen das Land, während nur rund 19'000 zurückkehrten. 

Als treibende Faktoren für die wachsende Auswanderung nennt der Bericht ein wachsendes Misstrauen in staatliche Institutionen, politische Polarisierung, gesellschaftliche Spannungen und die Auswirkungen des seit Oktober 2023 andauernden Krieges mit der Hamas. Viele Auswanderer berichten von einer tiefen Entfremdung gegenüber der politischen Kultur und der israelischen Gesellschaft, die über ökonomische Gründe hinausgeht. 
Insbesondere jüngere, säkulare und politisch aktive Bürger – häufig mit doppelter Staatsbürgerschaft oder beruflicher Mobilität – sehen im Ausland bessere Lebens- und Zukunftschancen. Andere betonen persönliche Sicherheitsbedenken oder den Wunsch, ihren Kindern einen anderen gesellschaftlichen Kontext zu bieten. 

Diese Auswanderung markiert eine Zäsur in der Geschichte Israels: Erstmals seit Jahrzehnten verliert der Staat mehr Menschen dauerhaft ans Ausland als er gewinnt – eine Entwicklung, die sowohl demografische als auch politische Debatten in Israel neu entfachen dürfte. 
 

Redaktion