Die Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein warnt angesichts des zunehmenden Antisemitismus vor einer Auswanderung von Jüdinnen und Juden aus Deutschland.
«Wir packen unsere Koffer», sagte Geschäftsführerin Viktoria Ladyshenski in Kiel. Dies sei die Realität, mit der sich viele jüdische Menschen derzeit beschäftigten.
Rechtsextremismus sei dabei nur eine von mehreren Bedrohungen. Besonders besorgt zeigte sich Ladyshenski über Antisemitismus aus linksextremen und islamistischen Milieus. Diese Gefahren müssten ebenso entschieden bekämpft werden wie der Rechtsextremismus. Das geschehe gesellschaftlich jedoch nicht: Während Tausende gegen Rechts demonstrierten, gebe es kaum vergleichbare Proteste gegen Islamismus. Ladyshenski forderte deshalb mehr Solidarität mit den jüdischen Bürgerinnen und Bürgern. Zugleich erklärte sie, die AfD sei derzeit nicht die grösste Gefahr für die jüdische Gemeinschaft.
Michael Saitner, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Schleswig-Holstein, warnte jedoch davor, den politischen Einfluss der AfD zu unterschätzen. Die Partei stehe kurz davor, entscheidende Machtpositionen zu erreichen, und könne diesen Zugang nutzen, um jüdisches Leben zu bekämpfen. Bei der kommenden Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird erneut mit einem Einzug der AfD ins Parlament gerechnet.