USA – Innenpolitik 31. Aug 2026

Ossoff geht auf Distanz zu Hasan Piker

Der jüdische Senator von Georgia, Jon Ossoff (links), schloss sich einer Reihe von Demokraten an, die sich von dem israelfeindlichen Streamer Hasan Piker (rechts) distanzierten.  

Zunehmende Debatte über Antisemitismus und Kritik an Israel.

Im Zug der eskalierenden Debatte um das Verhältnis zu dem linken Meinungsmacher Hasan Piker hat nun auch Jon Ossoff Position bezogen. Der demokratische Senator von Georgia mit Interesse an einer Präsidentschaftsbewerbung hat Piker nun «rücksichtslose und gefährliche Rhetorik» gegenüber amerikanischen Juden vorgeworfen.

Ossoff selbst wiederum wird von Teilen der jüdischen Gemeinschaft in Georgia kritisiert, weil er seit dem 7. Oktober 2023 gegen einzelne Waffenverkäufe an Israel gestimmt hat. Piker hatte an einem Twitch-Livestream am 20. August erklärt, ein singuläres Engagement amerikanischer Juden für Israel könne Gewalt seitens ungenannter Urheber «nicht gegen den Staat Israel, sondern gegen amerikanische Juden» auslösen.

Ein Sprecher Ossoffs erklärte der Zeitung «Atlanta Journal-Constitution», der Senator lehne «uneingeschränkt jene rücksichtslose und gefährliche Rhetorik ab, die suggeriert, dass politisches Engagement Gewalt gegen die jüdische Gemeinschaft oder irgendeine andere Gemeinschaft heraufbeschwöre». Amerikanische Juden und alle Amerikaner müssten die Freiheit und Sicherheit haben, «ihre Meinung zu äussern…, ohne Angst vor Repressalien haben zu müssen.»

Ossoffs Stellungnahme folgt pointierten Angriffen auf Trump aufgrund dessen angeblicher Unlust und Unfähigkeit zur Amtsführung als Präsident. Stattdessen fliege Trump lieber «mit seiner Assistentin Natalie Harp durch die Welt».

Piker reagiert mit der Behauptung, er habe von jungen Juden aus Georgia in seiner Online-Community gehört, die «es nicht fassen konnten, dass ihre Synagogen, Rabbiner und Gemeindeverbände ganzseitige Anzeigen schalteten, um Jon Ossoff dafür anzugreifen, dass er sich gegen die Bewaffnung des Staates Israel ausgesprochen hat». Nach Ossoffs Kritik an ihm habe er jedoch jede Sympathie mit dem Senator verloren. Dieser muss sich im November der Wählerschaft in Georgia stellen.

Ossoff stimmte erstmals im November 2024 gegen Waffenlieferungen an Israel; dies löste einen kritischen offenen Brief von Synagogen, der Anti-Defamation League und weiteren, jüdischen Organisationen in Georgia aus. Dazu schaltete AIPAC Werbespots, die Ossoff und andere US-Senatoren angriffen, welche gegen die Waffenlieferungen gestimmt hatten. 

Zuletzt hat Michael Morris als Herausgeber der «Atlanta Jewish Times» Ossoff scharf dafür kritisiert, dass er auch im Juli 2025 und im April 2026 gegen Waffenlieferungen an Israel gestimmt hatte: «Ich höre Sie immer wieder behaupten, dass Sie Israel unterstützen – dass Ihre Unterstützung `felsenfest´ sei. Das ist sie nicht» (Link).

Andreas Mink