Eingriff am Samstag blockiert die Seite der linken Basisorganisation für etwa 90 Minuten.
Die neue Runde landesweiter «No Kings»-Demonstrationen gegen die Trump-Regierung fand am Samstag geringeren Zulauf als frühere Proteste, die bis zu zehn Millionen Menschen auf die Strassen gezogen haben. Obendrein nahm Instagram am Samstag gegen 13:30 Uhr Ostküstenzeit den Account von No Kings offline. Damit verlor die Organisation mitten in den Protesten ihr wichtigstes Sprachrohr.
Der Account blieb etwa 90 Minuten lang offline. Selbst nach der Wiederherstellung konnte No Kings erst nach 17 Uhr neue Inhalte veröffentlichen. Die linke Gruppe Common Cause bezeichnet das Vorgehen des Mutter-Konzerns Meta als «alarmierenden Akt der Zensur durch Konzerne» und «Unterdrückung von Basisbewegungen zur Wählermobilisierung» kurz vor den Midterms am 3. November.
Ein Meta-Sprecher bezeichnete die Abschaltung später als «Fehler» aufgrund technischer Probleme. Laut der Plattform «Popular Information» war dies jedoch nur der jüngste in einer Reihe von «Fehlern» bei Accounts von Trump-Kritikern auch ausserhalb der USA. Am 15. Oktober hat ein brasilianisches Gericht Meta befohlen, die Konten von Präsident Lula, der in einer Stichwahl gegen Trumps Wunschkandidaten Flávio Bolsonaro antritt, nicht länger einzuschränken.
Im September hatte Instagram die Konten albanischer Gruppen gesperrt, die gegen die Pläne von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner protestierten, in Albanien ein Luxusresort in einem Naturschutzgebiet zu bauen. Meta lehnte zunächst auch Werbung für den Film «Musk» ab, eine kritische Dokumentation über den Verbündeten Trumps und wichtigsten Wahlspender der Republikaner. Auch dies wurde von Instagram zunächst als «Fehler» bezeichnet.
Gleichzeitig intensiviert Meta Beziehungen zu Trump und seiner Regierung. Der Konzern hat eine Million Dollar für Trumps zweite Amtseinführung und fünf Millionen Dollar für seinen Ballsaal im Weissen Haus gespendet. Zudem zahlte das Unternehmen 25 Millionen Dollar für die Beilegung einer Klage Trumps wegen seiner Sperrung bei Facebook nach dem Putschversuch am 6. Januar 2021. Meta-CEO Mark Zuckerberg hat Trump-Verbündete in den Aufsichtsrat und wichtige Konzern-Positionen berufen. Er hat eine Villa in Washington erworben, besucht das Weisse Haus häufig und telefoniert Berichten zufolge regelmässig mit Trump. Zuckerberg wird «massgeblicher Einfluss auf die KI-Politik der Regierung» nachgesagt.
Daneben lässt TikTok anscheinend Werbung für den kritischen Dokumentarfilm «Musk» nicht zu. Trump hat Musk Anfang Oktober mit der «National Medal of Science» geehrt. Der Multi-Unternehmer hat den «Musk»-Macher Alex Gibney als «Idioten, schrecklichen Menschen und Verschwörungstheoretiker» bezeichnet. Seine Plattform X hat jede Werbung für «Musk» untersagt.
Am Freitag hat der «Musk»-Vertrieb Bleecker Street bekannt gegeben, dass TikTok die Werbung für den Film dauerhaft untersagt hat. Der Vorstands-Mitglied Larry Ellison – dem 15 Prozent von TikTok gehören – gilt als Verbündeter Trumps und langjähriger Freund von Musk (Link).