Noch weniger Hilfe 20. Okt 2026

Vereinte Nationen kürzen Nahrungsmittelhilfe in Gaza

Ein stark unterernährtes Kleinkind in Südgaza auf einer kürzlichen Aufnahme - trotz humanitärer Krise kürzen die UN Hilfsgelder für Gaza. 

Drastische Massnahme aufgrund von Geldmangel.  

Gestern Montag hat das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (United Nations World Food Programme, WFP) aufgrund von Finanzierungslücken die Kürzung der Nahrungsmittelhilfe im Gazastreifen um etwa ein Drittel mitgeteilt. Eine halbe Million Menschen verliert damit vor dem Winter und bei einer anhaltend fragilen Versorgungslage den Zugang zu lebenswichtiger Unterstützung, so das WFP. 

Das WFP war seit Oktober 2023 eine lebensnotwendige Stütze für bis zu 90 Prozent der Familien im Gazastreifen. Seit der Ankündigung des Waffenstillstands im Oktober 2025 erreichte die Organisation monatlich rund 1,6 Millionen Menschen mit Lebensmittelpaketen, Weizenmehl, Brot, warmen Mahlzeiten, Snacks für Schulkinder sowie Bargeldhilfen. Dazu fehlen dem WFP nun die notwendigen Mittel.

Ab Oktober unterstützt das WFP nurmehr 1,1 Millionen der am stärksten bedürftigen Menschen im Gazastreifen mit Nahrungsmitteln und Bargeldhilfen – im Vormonat waren es noch 1,6 Millionen. Die Organisation hat auch diese Rationen halbiert und die Zahl warmer Mahlzeiten von 250.000 auf 150.000 pro Tag reduziert. Familien in schwer zugänglichen Gebieten – etwa in der Nähe der «gelben Linie» unter israelischer militärischer Kontrolle – erhalten künftig nur noch jeden zweiten Tag eine warme Mahlzeit, statt wie bisher täglich.

Schätzungsweise zwei Drittel der Bevölkerung – 1,4 Millionen Menschen – sind laut dem WFP von akuter Ernährungsunsicherheit auf Krisenniveau oder schlimmer betroffen. Etwa 200000 Menschen befinden sich weiterhin in einer Notsituation, in der sofortige Nahrungsmittelhilfe erforderlich ist, um Hungertode zu verhindern. Nur eines von fünf Kindern erhält eine ausreichend abwechslungsreiche Ernährung. Auch der Zugang zu Gesundheitsversorgung, Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygienediensten bleibt eingeschränkt. Mehr als 80 Prozent der Menschen im Gazastreifen sind arbeitslos. Infolgedessen können sich viele Familien selbst dann keine frischen Lebensmittel oder proteinreiche Nahrungsmittel leisten, wenn diese verfügbar sind.

Das WFP hat für seinen Einsatz in Palästina im Jahr 2026 weniger als die Hälfte der Mittel erhalten, die in den Vorjahren bereitgestellt wurden. Die Organisation benötigt nach eigenen Angaben dringend 450 Millionen Dollar, um Hilfsmassnahmen im Gazastreifen und im Westjordanland in den kommenden sechs Monaten bis März 2027 fortsetzen zu können. Ursachen für die Budgetkrise sind sinkende Zuwendungen der USA und europäischer Länder, sowie steigender Bedarf in Krisengebieten wie Jemen und dem Sudan (Link).
 

Andreas Mink