Der Autor, Regisseur und Schauspieler konnte am gestrigen Sonntag seinen 100. Geburtstag begehen.
Gestern Sonntag konnte der am 28. Juni 1926 in Brooklyn als Melvin James Kaminsky geborene Comedian Mel Brooks seinen 100. Geburtstag feiern. Auch als Schmied von Legenden um die eigenen Person kaum übertroffen, hat Brooks sicherlich die amerikanische – und damit die globale – Populärkultur mitgeprägt. Unter zahlreichen Würdigungen ordnet der «Forward» die Karriere von Brooks in seine Herkunft aus einem von Armut und osteuropäisch-jüdischer Kultur geprägten Milieu in Kindheit und Jugend ein. Dazu kam eine «Wut auf die Welt» aufgrund des frühen Todes seines Vater infolge von Tuberkulose. Diese Wurzeln sind neuerdings auch Gegenstand akademischer Forschungen oder finden in der Sachliteratur etwa zu Sid Caesar Niederschlag, an dessen TV-Shows Brooks nach 1950 auch in Kontakt mit jüdischen Talenten seiner Herkunft – aber breiterer Bildung trat (Link).
Brooks wurde zunächst vom Slapstick jüdischer Vaudeville-Künstler wie den Ritz Brothers und Moe Howard (bürgerlich Moses Harry Horwitz) von den Three Stooges inspiriert und sprach darüber zuletzt in der Doku «Mel Brooks: The 99 Year Old Man!» von Judd Apatow. Tief verwurzelt in der jiddischen Kultur, hat Brooks behauptet, als Junge sei er überzeugt gewesen, alle jüdischen Kinder in New York würden mit Erreichen des Erwachsenenalters plötzlich Jiddisch sprechen können, die Sprache der älteren Familienmitglieder, und Englisch könne dann als überflüssig abgetan werden.
Bereits als Teenager konnte er sein komisches Talent als «Tummler» unterhaltsam in jüdischen Ferienresorts in der Catskills verwerten, als er um 1940 mit zwei Koffern in Anzug und Krawatte wie ein über schlechte Geschäfte verzweifelter Handlungsreisender in einen Swimmingpool sprang. Zugleich stiess er sich an einem Schulunterricht, der Juden gleichzeitig als Plutokraten und ihre anarchistischen Feinde darstellte. Mit 17 meldete er sich freiwillig zum Militär und kämpfte im Dezember 1944 mit gegen die letzte Offensive Hitler-Deutschlands in den Ardennen – er hat damit die Nazis direkt erlebt, die er 1967 in seinem Klassiker «The Producers» auf die Schippe nehmen sollte. Seine Tragikomödie «Life Stinks» von 1991 greift das Buch Hiob auf und reflektiert eine vermutlich lebenslange Auseinandersetzung mit der Rolle der Juden in der amerikanischen Gesellschaft.
Brooks nahm auch Kritiker – ob Juden oder Nichtjuden –, die er gerne als «Grillen» (crickets) bezeichnete, ins Visier. Die Krönung derartiger Kommentare ist Brooks Rolle als mürrischer alter Jude, der sich in dem oscarprämierten Kurzfilm «The Critic» (1963) von Ernest Pintoff über avantgardistische Bilder auslässt: «Ich verstehe zwar nicht viel von Psychoanalyse, aber ich würde sagen: Das ist ein schmutziger Film.» Daneben war er sich doch bei allem Ehrgeiz und Geltungsbedürftigkeit doch der eigenen Grenzen bewusst, wusste diese aber als Komponist seiner eigenen Musicals etwa durch Anleihen bei Brahms zu überwinden.
Gesellschaftlich folgenreicher waren sein beharrliches Engagement für Gleichberechtigung und gegen Vorurteile, die in bedeutenden Rollen für Afroamerikaner – wie Cleavon Little in «Blazing Saddles» – oder die Präsenz schwuler Männer in «The Producers» und 1983 in seinem Remake von «To Be or Not to Be»: Hier wird eine exzentrische Persönlichkeit mit auffälligem Kleidungsstil namens Sasha vor der Deportation in ein Nazi-Konzentrationslager gerettet (Link).