Einvernehmung der Epstein-Komplizin im US-Kongress ohne Ergebnisse; Abgeordnete sehen ungeschwärzte Dokumente ein.
Gestern Dienstag hat sich Ghislaine Maxwell nach monatelangen Bemühungen von Abgeordneten von der Haftanstalt «Federal Prison Camp Bryan» in Texas aus einer Befragung durch den Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses zu ihrem Lebensgefährten Jeffrey Epstein gestellt.
Der republikanische Ausschuss-Vorsitzende James Comer erklärte anschliessend, Maxwell habe sich bei jeder Frage auf ihr Recht gemäss dem Fünften Verfassungszusatz berufen und «Antworten verweigert, um sich nicht selbst zu belasten». Comer gab sich darüber «sehr enttäuscht». Zudem habe Maxwells Anwalt David Oscar Markus, den Abgeordneten mitgeteilt, seine Mandantin würde «Fragen beantworten, sofern ihr Präsident Trump eine Begnadigung» von ihrer 20-jährigen Haftstrafe als Komplizin des 2019 verstorbenen Sexualverbrechers gewähren würde.
Demokraten im Ausschuss erinnerten daran, dass Trump eine solche Begnadigung auf Nachfragen von Journalisten nicht ausgeschlossen habe. Maxwell kooperiere deshalb nicht mit den Ermittlungen im Kongress. Markus publizierte seine Erklärung auch auf sozialen Medien und lies wissen, dass Maxwell sowohl Trump als auch den ex-Präsidenten Bill Clinton, die beide nachweislich Verbindungen zu Epstein hatten, von jeglichen Anschuldigungen entlasten könnte.
Maxwell war im Sommer nach einer Befragung durch den stellvertretenden Generalstaatsanwalt Todd Blanche nach Camp Bryan verlegt worden, dass aufgrund angenehmer Haftumstände als «Club Fed» bekannt ist.
Gleichzeitig hat das Justizministerium am Montag Kongress-Mitgliedern ungeschwärzte Versionen von Ermittlungsakten zu Epstein übergeben. Anschliessend warf der Demokrat Jamie Raskin der Behörde vor, sie habe die Epstein-Angelegenheit lange Zeit vertuschen und unter den Teppich kehren wollen. Raskin forderte weitere Ermittlungen: «Es ist unmöglich, einen milliardenschweren internationalen Kinderhandelring mit nur zwei Tätern zu betreiben.»
Zudem würden unzensierte Epstein-Akten früheren Aussagen von Trump widersprechen. Dieser hatte behauptet, er habe Epstein nach Bekanntwerden der Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens nach 2005 von seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida ausgeschlossen. Raskin erklärte nun, er habe Dokumente mit Aussagen von Epsteins Anwälten gesehen, die Trump mit den Worten zitierten, Epstein sei Gast in Mar-a-Lago gewesen und «nie aufgefordert worden, das Anwesen zu verlassen».
Am Wochenende forderten Abgeordnete den Rücktritt oder die Entlassung von Handelsminister Howard Lutnick, nachdem neue Dokumente zeigten, dass er 2012 einen Besuch auf Epsteins Privatinsel geplant hatte. Lutnick hatte noch in jüngster Zeit auf Podcasts und gegenüber der «New York Times» behauptet nur oberflächliche Kontakte zu Epstein gepflegt und diese bereits 2005 abgebrochen zu haben. Laut der neu veröffentlichten Dokumente waren diese Kontakte anscheinend intensiver und länger während. Der Auschuss-Vorsitzende Comer wollte am Montag eine Vorladung Lutnicks nicht ausschliessen (Link).