St. Gallen 09. Feb 2026

Bundesrat Cassis warnt vor zunehmendem Antisemitismus

Bundesrat Ignazio Cassis auf einer Archivaufnahme. 

In St. Gallen hat Bundesrat Ignazio Cassis (FDP) am Montag an der OSZE-Konferenz zur Bekämpfung von Antisemitismus vor zunehmender Diskriminierung gewarnt.   

Nicht nur die jüdische Gemeinschaft, sondern viele weitere Gruppierungen seien aufgrund ihrer Religion, Herkunft oder politischen Überzeugung betroffen.
Bundesrat Ignazio Cassis erklärte am Nachmittag vor den Medien, dass die Herausforderungen bezüglich Diskriminierung und Gewalt in den Ländern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zunehmen. "Das ist inakzeptabel."
Cassis trat am späten Nachmittag gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Liechtenstein, Österreich und dem Kanton St. Gallen vor die Medien, darunter Sabine Monauni, Sepp Schellhorn und Regierungsrätin Laura Bucher (SP).
Zu den wichtigsten Themen der Konferenz gehören gemäss einer Mitteilung des Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) Präventionsmassnahmen und die Rolle des Sports zur Bekämpfung von Hass und Diskriminierung.
Cassis zeigte sich "zutiefst beunruhigt", dass mehr als 80 Jahre nach dem Holocaust ein solches Treffen einberufen werden müsse. Doch der Hass halte an und schlage erneut in Gewalt und Schrecken um, wie etwa der antisemitische Anschlag am Bondi Beach in Sydney im vergangenen Dezember gezeigt hätte. Cassis verwies unter anderem auch auf einen starken Anstieg antisemitischer Vorfälle in der Schweiz.
"Ein allgemeines Klima der Instabilität, angeheizt durch geopolitische Rivalitäten und wirtschaftliche Unsicherheit, schürt Ressentiments gegenüber Gruppen, die als 'anders' wahrgenommen werden", so Cassis weiter. Ziel der Konferenz sei, konkrete Empfehlungen an die Mitgliedstaaten abzugeben.
Ausgrenzung und Hass gefährde die Demokratie, sagte Schellhorn, österreichischer Staatssekretär im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten. Die Erinnerungskultur müsse gerade bei den jungen Generationen aufrechterhalten werden.
"Wir leben in einer Welt von komplexen Krisen", erklärte die St. Galler Regierungsrätin Laura Bucher. Von der Konferenz erhoffe sich einen Weg zu mehr Dialog, Empathie und ein friedliches Zusammenleben.
Am Vormittag besuchte eine Delegation der Konferenz das Jüdische Museum in Hohenems (A) und den Alten Rhein bei Diepoldsau SG, wo während des Zweiten Weltkriegs Flüchtlinge die Grenze zur Schweiz passierten. An diesem Ort entsteht ein Informationszentrum, das vom Bundesamt für Kultur unterstützt wird.
Mit dem Treffen in St. Gallen startet eine Serie von fünf Konferenzen in der Schweiz anlässlich des Schweizer Vorsitzes der OSZE im Jahr 2026. Die nächste Konferenz findet im Mai am Cern in Genf statt.
 

Redaktion