Israel – Gaza 10. Feb 2026

Akademiker prangern Missbrauch des Begriffs «Völkermord» an

Offener Brief richtet sich gegen Behauptungen des «Lemkin Institute for Genocide Prevention».  

Mehr als 100 Holocaust-Forscher aus aller Welt haben einen Brief unterzeichnet, der den Missbrauch des Begriffs «Völkermord» durch das «Lemkin Institute for Genocide Prevention» anprangert. Die Organisation gebe vor, im Namen von Raphael Lemkin (1900-1959) zu sprechen, der diesen Begriff geprägt hat. Doch laut dem Anwalt Joseph Lemkin – ein Verwandter des polnischen Juristen – verwende das Institut dessen Namen ohne die Genehmigung der Familie. Das Institut hat laut dem an Joseph Lemkin gerichteten Brief Israel fälschlicherweise des Völkermords in Gaza beschuldigt: «Israels Anti-Terror-Kampagne in Gaza ist weder in ihren Absichten noch in ihren Handlungen völkermörderisch… Die zivilen Todesopfer sind die Folge davon, dass sich die Hamas in Wohngebieten verschanzt und die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde missbraucht.»

Zu den 114 Unterzeichnern des Briefes gehören prominente Völkermordforscher und Leiter von Holocaust-Institutionen aus aller Welt, darunter Abraham Foxman (ehemaliger Direktor der Anti-Defamation League), Rabbiner Irving (Yitz) Greenberg (ehemals Vorsitzender des United States Holocaust Memorial Museum), Professorin Susannah Heschel (Dartmouth College), Professor Jacques Picard (Universität Basel), Professorin Dina Porat (Tel Aviv University) und Professor Jonathan Sarna (Brandeis University).

Initiatoren des Schreiben sind Dr. Rafael Medoff, Historiker und Direktor des David S. Wyman Institute for Holocaust Studies in Washington und der Menschenrechtler Professor Thane Rosenbaum. Medoff verurteilt «die falsche Anschuldigung des Völkermords in Gaza als nichts weniger als eine Umkehrung der Holocaust-Geschichte». Dass Extremisten Lemkins Namen dafür missbrauchen, sei eine zusätzliche Beleidigung (Link).

Joseph Lemkin wirft dem Institut seit mehreren Jahren den Missbrauch von Raphael Lemkins Namen vor (Link). Das Institut hat auf die Vorwürfe und den Brief zumindest auf der eigenen Website noch nicht reagiert.
 

Andreas Mink