Der Historiker wird ins Panthéon aufgenommen.
Mit der feierlichen Aufnahme des jüdischen Historikers und Résistance-Kämpfers Marc Bloch ins Panthéon hat Frankreich einem seiner bedeutendsten Intellektuellen und Widerstandskämpfer die höchste republikanische Ehre erwiesen (tachles online berichtet). Doch die Zeremonie entwickelte sich zugleich zu einem Streit über die Deutung der französischen Résistance und deren politische Vereinnahmung.
Bloch (1886–1944), Mitbegründer der Annales-Schule der Geschichtswissenschaft, wurde nach dem Einmarsch der Deutschen wegen seiner jüdischen Herkunft aus dem Staatsdienst entlassen. Er schloss sich der Résistance an, wurde 1944 von der Gestapo verhaftet, gefoltert und erschossen. Seine Überführung ins Panthéon war bereits 2024 von Emmanuel Macron angekündigt worden.
Überschattet wurde die Ehrung durch Kontroversen um die Rolle der heutigen politischen Lager. Angehörige Blochs warnten davor, das Vermächtnis des Historikers für aktuelle ideologische Kämpfe zu instrumentalisieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, wer sich heute glaubwürdig auf die Tradition des Widerstands gegen Faschismus und Antisemitismus berufen kann.
Besonders scharf wird in Frankreich darüber gestritten, wie sich der historische Antifaschismus zur heutigen Haltung gegenüber Israel und zum Kampf gegen Antisemitismus verhält. Vertreter jüdischer Organisationen kritisieren, Teile der politischen Linken relativierten den zunehmenden Antisemitismus oder stellten den Nahostkonflikt über die Erinnerung an die Verfolgung französischer Juden. Umgekehrt werfen linke Gruppen der Regierung vor, das Andenken der Résistance für ihre eigene politische Agenda zu nutzen.
Die Ehrung Blochs macht damit deutlich, dass das Erbe der Résistance in Frankreich nicht nur historische Erinnerung ist, sondern weiterhin Gegenstand gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen bleibt. Seine Familie betonte, Blochs Leben stehe für republikanische Werte, intellektuelle Unabhängigkeit und den Widerstand gegen jede Form von Unterdrückung – Werte, die nicht parteipolitisch vereinnahmt werden dürften.