USA 05. Aug 2026

Lauder dreht den Geldhahn zu

Ronald S. Lauder

Bericht der «New York Times» über finanzielle Engpässe und gestutzte Engagements des auch politisch aktiven Mäzens und Kunstsammlers.  

Die «New York Times» charakterisiert Ronald S. Lauder als Milliardär, Erbe eines Kosmetikimperiums und Philanthrop zumindest für die Republikaner in New York als «Ein-Mann-Bank». Der 82-Jährige habe über die letzten Jahrzehnte eine Kampagne zur Einführung von Amtszeitbegrenzungen in New York City finanziert, eine Klage gegen die manipulierten Wahlkreisgrenzen für den Kongress auf Bundesstaatsebene mitgetragen und noch 2022 fast 13 Millionen Dollar in konservativ Bewerbungen um Kongress-Mandate investiert. Dazu kamen Millionen-Spenden an Trump.

Doch bei den laufenden Wahlkämpfen halte Lauder sein Scheckbuch geschlossen – und das komplett. Zudem habe er still und leise einen Stab gut bezahlter Berater, Werbefachleute und sonstiger Experten entlassen, die regelmässig an sein persönliches Büro in der Estée-Lauder-Zentrale mit Blick auf den Central Park in Manhattan berichtet hatten. Einige von ihnen waren bereits seit seiner vergeblichen Bürgermeister-Kandidatur in der City 1989 für Lauder tätig.

Der Bericht deutet diverse Beweggründe an. Angeblich haben Lauders Töchter Aerin und Jane eingegriffen, um seine üppigen Ausgaben für Politik, Kunst und Philanthropie zu begrenzen. Denn sein Vermögen habe aufgrund gravierender Verluste bei Aktien des Familienunternehmens Estée Lauder seit 2021 um 77 Prozent mindestens 1,2 Milliarden Dollar an Wert verloren. Daher habe Lauder mit den Töchtern vereinbart, seine Aktivitäten – die mit grossen Reisen, zahlreichen Angestellten und öffentlichen Auftritten verbunden waren – zu reduzieren.

Lauder selbst hat nicht auf Fragen der Times zu seiner finanziellen Situation oder seinen Entscheidungen reagiert. Der Bericht notiert jedoch, dass viele seiner Schritte nicht unüblich bei Persönlichkeiten seines Kalibers und Alters sind, also einer landläufigen Nachlass-Regelung entsprechen. Dazu könnte auch die im Mai angekündigte Angliederung seiner geliebten Neue Galerie an der Upper East Side an das Metropolitan Museum of Art zählen. 

Zudem gab er seinen Rücktritt als Präsident des Jüdischen Weltkongresses bekannt, den er in Nachfolge von Edward Bronfman über zwei Jahrzehnte geleitet hat. Zudem habe Lauder «in bemerkenswertem Umfang Objekte» aus seinen Sammlungen veräussert, aber auch ein von dem Architekten Philip Johnson entworfenes Haus in Manhattan für 20 Millionen Dollar. Ende 2024 hat Lauder 30 Hektar Land für 56 Millionen Dollar an den Denkmalschutzfonds der Stadt East Hampton auf Long Island verkauft und er bietet seine dort aufbewahrte Sammlung von Jagdflugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg an.

All dies fällt laut dem Bericht in eine Zeit bedeutender Veränderungen für Lauders Familie. Sein älterer Bruder Leonard A. Lauder ist im vergangenen Jahr verstorben. Der Schwiegersohn Kevin M Warsh wurde kürzlich von seinem langjährigen Freund Trump für den Vorsitz der US-Notenbank nominiert. Leonard Lauder hatte sich neben einer bedeutenden Kunstsammlung der Leitung des Familienunternehmens gewidmet. 

Ronald Lauder war als Investor, Philanthrop, Kunstsammler und politischer Akteur inklusive eines Botschafter-Postens in Wien unter Ronald Reagan, aber nach dem Kollaps des Sowjet-Imperiums auch als wichtiger Unterstützer jüdischer Zwecke in Osteuropa hervor getreten. All dies war kostspielig und habe den älteren Bruder Leonard Lauder einst zu der Bemerkung veranlasst: «Ich bin derjenige, der das Geld verdient hat. Er ist derjenige, der es ausgibt» (Link).

Redaktion