Bern 27. Aug 2026

Kritik an Schweizer Neutralität

Carl Bildt

Der frühere schwedische Ministerpräsident Carl Bildt übt scharfe Kritik an der Schweizer Neutralität. 

Die Schweiz sei eine «Trittbrettfahrerin» der NATO, sagte der ehemalige Aussenminister in einem Interview mit Tamedia. Gemeinsam mit Österreich profitiere sie davon, von Nato-Staaten umgeben zu sein. Ohne das Verteidigungsbündnis wären beide Länder wesentlich exponierter. Für neutrale und bündnisfreie Staaten gebe es im heutigen Europa kaum noch Raum. «Die Gründe, die die Schweiz einst zur Neutralität führten, sind verschwunden», so Bildt. Kritisch sieht der 77-Jährige deshalb auch die Neutralitätsinitiative, über die die Schweiz am 27. September abstimmt. Sie will die «immerwährende und bewaffnete» Neutralität ausdrücklich in der Bundesverfassung verankern und unter anderem die Beteiligung an Sanktionen kriegführender Staaten untersagen, sofern diese nicht von der UNO beschlossen wurden. Eine Annahme würde die Schweiz laut Bildt schwächen, weil sie künftig weniger flexibel auf Krisen reagieren könnte. Zugleich verteidigte er den Schweizer Entscheid, die EU-Sanktionen gegen Russland zu übernehmen. Andernfalls wäre die Schweiz in Europa als Aussenseiterin wahrgenommen worden. Schweden selbst gab nach dem russischen Angriff auf die Ukraine seine jahrzehntelange militärische Bündnisfreiheit auf und trat 2024 der NATO bei. Bildt war von 1991 bis 1994 Ministerpräsident und später Aussenminister. Heute ist er Vizepräsident des European Council on Foreign Relations.

Redaktion