USA – Israel 17. Jun 2026

Kein Visum für Ben-Gvir

Itamar Ben-Gvir darf nicht nach Miami. 

Der religiös-nationalistische Sicherheitsminister wollte privat Miami besuchen.  

Itamar Ben-Gvir hat einen Besuch in Miami aufgrund von Problemen bei einer Einreiseerlaubnis abgesagt. Anscheinend hatte die US-Botschaft in Jerusalem laut hebräischen Medien als Voraussetzung für ein Visum die persönliche Anwesenheit des Exponenten der Siedlerbewegung und Ministers für nationale Sicherheit, sowie die Abgabe von Fingerabdrücken verlangt.

Das Verlangen nach Fingerabdrücken gilt als ungewöhnlich und war offenbar Resultat der wiederholtenVorstrafen Ben-Gvirs als religiös-nationalistischer Aktivist unter anderem wegen Störung der öffentlichen Ordnung, Aufhetzung zu Rassismus und Unterstützung einer Terrorgruppe.

Israelische Medien mutmassen indes, dass Washington kein Interesse an einem Besuch Ben-Gvirs hat, der zuletzt lautstark gegen den nun von Trump geschlossenen, neuen Waffenstillstand mit Iran agitiert hat. Ben-Gvir erschien allerdings tatsächlich für ein Gespräch mit Beamten und die Abgabe von Fingerabdrücken in der Botschaft. Doch anscheinend entschied er sich schliesslich zu einer Absage der Reise. Er soll befürchtet haben, das Visum könnte nicht rechtzeitig vor seinem Abflug eintreffen. Ben-Gvirs Bür erklärte derweil, er habe freiwillig auf die Option eines Diplomatenpasses verzichtet, da die Reise primär privater Natur gewesen wäre, und stattdessen ein reguläres Visum beantragt.

Der Minister hat zudem fälschlicherweise behauptet, alle Israelis müssten für ein US-Visum Fingerabdrücke abgeben. Tatsächlich können Israelis im Rahmen des ESTA-Programms visumfrei einreisen, sofern sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen – also etwa keine Vorstrafen auf dem Kerbholz haben.

Zudem hatte Ben-Gvir anscheinend beim Amtsgericht Jerusalem eine Verschiebung einer Anhörung bei der von ihm angestrengten Verleumdungsklage gegen einen Journalisten beantragt. Dabei hatte er die USA-Reise als Besuch von «diplomatischer Bedeutung» dargestellt und nicht – wie von seinem Büro behauptet – primär als privaten Besuch. Zuvor war bekannt geworden, dass die Reisekosten in Höhe von Zehntausenden Schekel von Ben-Gvirs Vertrautem Yaakov Elharar übernommen werden sollten. Elharar ist ein in Miami ansässiger Geschäftsmann und Ben-Gvir wollte mit seiner Gattin an der Hochzeit dessen Tochter teilnehmen. 

Der für ethische Fragen zuständige Genehmigungsausschuss des Staatskontrolleurs hatte es Elharar dann untersagt, die Kosten für den Besuch zu übernehmen (Link).

Andreas Mink