Israel wird zunehmend zum wichtigen aussenpolitischen Thema bei Vorwahlen.
Der erbitterte demokratische Vorwahlkampf um den US-Senat in Michigan zwischen der proisraelischen Kongressabgeordneten Haley Stevens und ihrem israelkritischen Herausforderer Abdul El-Sayed wirkt sich inzwischen auch auf andere Vorwahlen im Bundesstaat aus. Kandidatinnen und Kandidaten für das Repräsentantenhaus sowie lokale Ämter sehen sich zunehmend gezwungen, ihre Haltung zu Israel, Gaza und Antisemitismus öffentlich zu definieren. Auslöser ist die wachsende Bedeutung des Nahostkonflikts innerhalb der Demokratischen Partei Michigans. El-Sayed, der Israel Völkermord im Gazastreifen vorwirft und ein Ende der US-Militärhilfe fordert, wird von progressiven Kräften unterstützt. Stevens erhält dagegen massive Unterstützung von proisraelischen Organisationen, insbesondere von AIPAC. Die Vorwahl am 4. August gilt deshalb als richtungsweisend für den künftigen Kurs der Demokraten in der Israelpolitik. Laut der Jewish Telegraphic Agency geraten nun auch Kandidaten in Wahlkreisen mit grösseren jüdischen oder arabischstämmigen Bevölkerungsgruppen unter Druck. Jüdische Wähler achten verstärkt auf den Umgang mit Antisemitismus und die Haltung zu Israel, während progressive Aktivisten und arabisch-amerikanische Wähler eine deutlich kritischere Position gegenüber der israelischen Regierung verlangen.
Besonders deutlich zeigt sich dies im Raum Detroit, wo die grössten arabisch-amerikanischen und zugleich bedeutende jüdische Gemeinden der USA leben. Dort versuchen manche Bewerber, einen Mittelweg zu finden, während andere bewusst klare Positionen beziehen. Beobachter sehen darin ein Zeichen dafür, dass der Konflikt um Israel längst nicht mehr nur die nationale Politik, sondern zunehmend auch lokale und regionale Wahlen innerhalb der Demokratischen Partei beeinflusst.