USA – Israel 13. Okt 2026

«Kein Minjan für Demokratische Sozialisten»

Progressive Perspektive zum Disput um Statement von Zohran Mamdani zum 7. Oktober.  

Seit Jahren kommentiert der Jurist und Aktivist Steve Sheffey von Chicago aus jüdisch-amerikanische Debatten nicht zuletzt um Israel von einer liberal-progressiven Perspektive aus. Sein «Pro-Israel Political Update» landet jeden Sonntag gratis bei Online-Abonnenten. Sheffey greift nun die heftige Kontroverse über die Erklärung des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani zum dritten Jahrestag des 7. Oktober auf. Vergangene Woche war der Demokratische Sozialist dabei nur kurz auf das Leid jüdischer Opfer und Familien eingegangen und hatte der von Israel als Reaktion in Gaza angerichteten Verheerung um so mehr Raum gewidmet.

Sheffey sieht das «Problem» dabei nicht in der Verwendung des Begriffes «Völkermord» dafür, denn dieser Ansicht seien fast 40 Prozent der jüdischen Amerikaner und mehr als die Hälfte der jüdischen Demokraten (er selbst nimmt dazu keine Position). Daher lasse sich «dieses Wort kaum pauschal als unangemessen abtun». Es sei auch angebracht, dass Mamdani das Leid auf palästinensischer Seite zur Sprache brachte: «Für viele Palästinenser in New York markiert der 7. Oktober den Beginn dreier Jahre der Verwüstung im Gazastreifen.»

Problematisch sei jedoch, dass Mamdani an einem Tag von besonderer Bedeutung für die jüdische Gemeinschaft die Ereignisse des 7. Oktobers nur gestreift und anscheinend als «Aufhänger» für eine Verurteilung der israelischen Reaktion benutzt habe: «Das war schlicht zu viel an einem Tag, an dem sich die jüdische Gemeinschaft wünschte, dass ihre gewählten Vertreter ihre Trauer und ihr Trauma anerkennen.» Denn am 7. Oktober seien mehr Juden getötet worden als an jedem anderen Tag seit dem Holocaust.

Mitgefühl und Empathie sollten kein Nullsummenspiel sein, so Sheffey. Eine Erklärung zum 7. Oktober leugne ja nicht das Leid, das die Menschen im Gazastreifen nach diesem Datum erfahren haben. Mamdani hätte daher seine Haltung zu Gaza zu einem anderen Zeitpunkt ausführlich darlegen sollen. Sheffey kritisiert aber auch die heftigen Attacken jüdischer Organisationen auf Mamdani: «Normalerweise startet man keine politischen Angriffe, während man trauert». Und er notiert es als Ironie, dass Mamdani am Jahrestag später von pro-palästinensischen Demonstranten bei einer Kundgebung angefeindet worden sei. 

Gleichzeitig erinnert Sheffey an die Zwischenwahlen in drei Wochen und wehrt republikanische Versuche ab, die Demokraten mit Mamdani gleichzusetzen. Der Bürgermeister stehe nicht auf Stimmzetteln. Und die «Demokratischen Sozialisten» (DSA) seien nur in einer Handvoll von Wahlbezirken vertreten – «ungeachtet der enormen Aufmerksamkeit, die ihnen auf Klicks ausgerichteten Medien geben». Ohnedies hätten von den DSA unterstützte Kandidaten bei 18 der 25 Vorwahlen für das US-Repräsentantenhaus verloren, an denen sie teilnahmen, davon in sieben Hochburgen der Demokraten.

Sheffeys Fazit: «Die DSA wird im nächsten Kongress nicht einmal über genügend Abgeordnete verfügen, um einen Minjan unter den mehr als 200 Demokraten zu bilden» (Link).

Andreas Mink