USA – Politik 24. Aug 2026

Kalte Schulter für AIPAC in Michigan

Der ehemalige US-Abgeordnete und derzeitige republikanische Senatskandidat für 2026 in Michigan, Mike Rogers, im September 2025 in Howell, Michigan.  

Dramatischer Kurswechsel des Republikaners Mike Rogers.

Anscheinend wird eine Unterstützung durch AIPAC – und damit ein Engagement für die Unterstützung Israels – nun auch von Konservativen als rotes Tuch für breite Wählerschichten wahrgenommen. Diesen Schluss legt ein «Axios»-Bericht nahe. Demnach hat der republikanische Senats-Kandidat Mike Rogers in Michigan die pro-israelische Organisation gebeten, seine Kampagne gegen den linken Israel-Kritiker Abdul El-Sayed nicht zu unterstützen, also etwa Werbung für ihn zu schalten. Laut dem Bericht hat Rogers jüngst in Los Angeles den AIPAC-Vorsitzenden Michael Tuchin getroffen. Anschliessend habe AIPAC ein bereits fertiggestelltes Video auf Eis gelegt, das El-Sayed attackiert.

Offenkundig befürchtet Rogers laut dem Bericht «als überzeugter pro-israelischer Republikaner, dass ihm die öffentliche Unterstützung durch AIPAC bei der Wahl am 3. November schaden könnte». Die Verantwortlichen bei AIPAC reagieren angeblich verärgert. Die Organisation hatte über 30 Millionen Dollar für den vergeblichen Versuch aufgewendet, El-Sayed bei den Vorwahlen der Demokraten zu Fall zu bringen und wollte weitere Millionen für Rogers investieren.

El-Sayed hatte AIPAC zu einem zentralen Wahlkampf-Thema gemacht, Israel als «Schurkenstaat» bezeichnet, dem Land Völkermord und Apartheid vorgeworfen und sich geweigert zu erklären, ob Israel ein Existenzrecht als jüdischer Staat habe. Seine Niederlage im November wurde damit zu dem wohl wichtigsten Ziel von AIPAC bei den Midterms. Anscheinend hatte das Team von Rogers die Lobby bereits vor der demokratischen Vorwahl am 4. August vor einem Sieg von El-Sayed gewarnt. Dieser hatte schon vor seinem Sieg erklärt: «AIPAC, falls ihr zuhört: Kommt zurück und verbrennt noch einmal Geld».

Vorschläge der Rogers-Kampagnen, dass AIPAC eigene Spender zu diskreteren Spenden an den ehemaligen Gliedstaats-Abgeordneten animiert, stossen bei der Organisation angeblich auf entrüstete Ablehnung: «Die Gruppe wollte eine sichtbare Rolle bei der Niederlage von El-Sayed spielen und argumentierte, dass der Linke seinen Gegner aufgrund seiner stark pro-israelischen Haltung ohnehin mit der pro-israelischen Lobby-Gruppe in Verbindung bringen würde.»

Laut dem Bericht sind direkte Gespräche zwischen der Rogers-Kampagne und AIPAC inzwischen zum Stillstand gekommen. Allerdings wollen jüdische Spender mit Verbindungen zu beiden Seiten nun als Vermittler fungieren.

Michigan ist Heimat einer grossen arabisch-amerikanischen Gemeinschaft. Laut einer aktuellen Umfrage von Fox News lehnen 55 Prozent der dortigen Wählerschaft die Fortsetzung der US-Hilfen für Israel ab (Link).

Andreas Mink