Iran-Krieg 18. Jun 2026

Kämpfe im Südlibanon halten an

Aufnahme vom Mittwoch nach einem israelischen Angriff in der libanesischen Stadt Sidon.  

Israel führt weitere Angriffe durch und zerstört Ortschaften aus; Attacken der Hisbollah auf IDF-Einheiten.  

Ungeachtet der zwischen den USA und dem Iran getroffenen Vereinbarung zur Beendigung des Krieges an allen Fronten greift Israel mit Luftangriffen weiter Ortschaften im Südlibanon an. 

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Libanons haben israelische Drohnen drei Angriffe in Tyrus ausgeführt, bei denen Menschen verletzt wurden; zudem kam eine Drohne im Bezirk Bint Dschubail im Gouvernement Nabatiye zum Einsatz. Die Kämpfe gelten als Bedrohung für das Rahmenabkommen zur Beendigung des weiteren Konflikts. Teheran wertet neue israelische Angriffe auf den Libanon sowie die anhaltende Besetzung libanesischen Territoriums als Verstoss gegen die neue Vereinbarung mit den USA vom Sonntag.

Daneben soll die IDF weitere Luftangriffe in der Region geführt haben. Am Dienstag waren bei israelischen Angriffen in Nabatiye mindestens vier Menschen ums Leben gekommen, unter anderem durch Drohnenangriffe auf mehrere Fahrzeuge. Unterdessen feuerten Hisbollah-Kämpfer mindestens zehn Raketen auf israelische Truppen in der Nähe von Kfar Tebnit ab. Später am Mittwoch teilte die israelische Armee mit, zwei mit Sprengstoff beladene Hisbollah-Drohnen sei in der Nähe ihrer im Südlibanon stationierten Truppen explodiert und hätten fünf Soldaten verletzt.

Laut Al Jazeera-Korrespondenten vor Ort sind die Kämpfe seit der Ankündigung des Abkommens zwischen den USA und dem Iran zwar zurückgegangen, liefen jedoch fort. Das libanesische Militär erwarte, dass die IDF weitere Gelände besetzen will, insbesondere strategisch wichtige Anhöhen rund um Nabatiye. Lokale Familien würden zwar in ihre Dörfer zurückzukehren, seien aber um die Einhaltung der Waffenruhe durch Israel besorgt. Eine UN-Sprecherin erklärte, die Zahl der zwischen israelischen Streitkräften und dem Libanon abgefeuerten Geschosse sei am Sonntag auf 174 gesunken, verglichen mit 705 am Sonntag zuvor. Davon seien 169 Israel und fünf der Hisbollah zuzuordnen gewesen.

Die Ankündigung des Abkommens zwischen den USA und dem Iran hat zudem die seit April laufenden separaten Verhandlungen zwischen Israel und der libanesischen Regierung infrage gestellt. Israelische und libanesische Diplomaten haben – ungeachtet der fehlenden offiziellen Beziehungen zwischen den beiden Staaten – bereits viermal direkte Gespräche in Washington geführt und planen ein weiteres Treffen im Juni.

Unterdessen erklärte Amnesty International am Mittwoch, dass die Anordnungen der IDF zur massenhaften Zwangsevakuierung im Libanon völkerrechtlich als Kriegsverbrechen einzustufen seien. Die israelische Armee habe diese Anordnungen «drastisch ausgeweitet» und damit Hunderttausende Menschen im gesamten Libanon vertrieben.

Laut Amnesty hat das israelische Militär am 28. November 2024 – einen Tag nach Inkrafttreten einer vorangegangenen Waffenruhe – etwa 4,6 Prozent des Libanon zur «Sperrzone» erklärt und diese bis zu diesem April kurz nach der Ankündigung einer Waffenruhe am 17. April auf etwa sechs Prozent der Landesfläche ausgeweitet worden. Zudem seien die Bewohner angewiesen worden, nicht in Dörfer zurückzukehren, die zuvor Zehntausenden von Zivilisten als Heimat gedient hatten. Auch die systematische Zerstörung von Ortschaften durch die IDF halte an (Link).

Andreas Mink