USA 31. Jul 2026

«Jüdischer Terror» wird zum Begriff

Bret Stephens mit Kritik an Israels Vorgehen in der Westbank. 

Bret Stephens verurteilt «jüdischen Terror» im Westjordanland – scharfe Kritik an Israels Regierung.

Der konservative Kolumnist der New York Times, Bret Stephens, der seit Jahren als einer der profiliertesten pro-israelischen Kommentatoren in den USA gilt, hat die Gewalt extremistischer israelischer Siedler im Westjordanland ungewöhnlich scharf verurteilt. In einer vielbeachteten Kolumne bezeichnet er gewalttätige Siedler ausdrücklich als „jüdische Terroristen“ und wirft der israelischen Regierung vor, diese Bedrohung nicht entschieden genug zu bekämpfen. 
Stephens argumentiert, dass die zunehmenden Angriffe radikaler Siedler auf Palästinenser nicht nur moralisch verwerflich seien, sondern auch Israels Sicherheit und internationale Legitimität untergraben würden. Wer Israel wirklich unterstützen wolle, müsse auch bereit sein, diese Form des Extremismus klar zu benennen und zu bekämpfen. 
Besonders kritisiert Stephens die politischen Signale aus der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Er wirft führenden Politikern vor, Gewalt radikaler Siedler zu relativieren oder stillschweigend zu dulden. Dadurch werde der Rechtsstaat geschwächt und der Eindruck vermittelt, dass für jüdische Extremisten andere Massstäbe gelten als für palästinensische Terroristen. 
Die Kolumne erscheint vor dem Hintergrund einer deutlichen Eskalation der Gewalt im Westjordanland. Nach tödlichen Zusammenstössen zwischen israelischen Siedlern und Palästinensern hatte die Regierung zwar umfangreiche Sicherheitsmassnahmen angekündigt, zugleich aber ihre Unterstützung für den Siedlungsausbau bekräftigt. Die Ereignisse haben die Debatte über den Umgang mit radikalen Siedlern sowohl in Israel als auch in der jüdischen Diaspora neu entfacht. 
Stephens gilt seit Jahrzehnten als überzeugter Zionist und gehört zu den entschiedensten Verteidigern Israels in den US-Medien. Gerade deshalb findet seine öffentliche Verwendung des Begriffs „jüdischer Terrorismus“ besondere Beachtung. Seine Botschaft lautet, dass Israels demokratische und moralische Glaubwürdigkeit nur bewahrt werden könne, wenn der Staat gegen jede Form von Terror – unabhängig von der Identität der Täter – konsequent vorgeht. 

Andrew Silow-Carroll