USA – Epstein-Affäre 17. Jun 2026

Indizien sprechen für Suizid des Sexualverbrechers

Jeffrey Epstein im Jahr 2004.

Eingehende Recherchen der «New York Times» bringen allerdings auch Unstimmigkeiten an den Tag.  

Angeregt von « Spekulationen und Intrigen» um den Tod von Jeffrey Epstein im August 2019 in einer Bundeshaftanstalt in Manhattan, rollt die «New York Times» den von Gerichtsmedizinern als Selbstmord eingestuften Fall in einer ausführlichen Recherche auf. Dabei wird speziell die Annahme geprüft, Epstein sei ermordet worden, um ihn zum Schweigen über sein globales Netzwerk von Komplizen und Geschäftspartnern zu bringen. Die Times hat dazu Zehntausende Seiten neu freigegebener Dokumente, vor allem aber erstmals bislang unveröffentlichte, handschriftliche Notizen Epstein in Haft ausgewertet und Dutzende von Personen befragt, die mit dem Fall in Verbindung standen.

Wichtigstes Ergebnis: Aussagen von Bekannten und neue Indizien deuten auf eine Entschlossenheit Epsteins hin, seinem Leben ein Ende zu setzen. Allerdings bleiben wichtige Aspekte der letzten Tage Epsteins ungeklärt oder rätselhaft, gaben jedoch nicht Anlass zu einer alternativen Erklärung seines Todes als einen Suizid.

Eine Analyse der Sicherheitsvorkehrungen und der Personalausstattung des Gefängnisses ergab die Möglichkeit eines ausgeklügelten Plans zur Ermordung Epsteins. Dazu wären zahlreiche Beteiligte und umfassende, präzise Kenntnissen der Sicherheitssysteme der Einrichtung notwendig gewesen. Die Rechercheure fanden jedoch keinerlei Hinweise auf einen solchen Plan: «Im Gegensatz dazu fanden wir zahlreiche – grösstenteils bisher unveröffentlichte – Beweise dafür, dass Epstein in den Wochen vor seinem Tod über Selbstmord geschrieben und gesprochen und mindestens einen, möglicherweise sogar drei Selbstmordversuche unternommen hatte.»

Zweieinhalb Wochen vor seinem Tod unternahm Epstein offenbar einen Selbstmordversuch in seiner Zelle, der jedoch durch das Eingreifen seines damaligen Zellengenossen scheiterte. Epstein machte seine Absichten in einem Abschiedsbrief deutlich, den er in seiner Zelle hinterliess und der Tage später von einem Zellengenossen gefunden wurde. Dieser Brief ähnelte inhaltlich und handschriftlich anderen Gefängnisaufzeichnungen Epsteins. Ein Mithäftling erzählte den Reportern, er habe Epstein bereits zweimal beim Versuch, sich durch Erhängen das Leben zu nehmen, ertappt. Er habe beide Vorfälle den Justizbeamten gemeldet, diese hätten sie aber nicht ernst genommen.

Epstein habe zudem in den Wochen vor seinem Tod häufig über seine Unfähigkeit, das Leben im Gefängnis zu ertragen und Selbstmord gesprochen, sowie in dem Abschiedsbrief und weiteren Schreiben seiner Verzweiflung Ausdruck gegeben: «Nur Schmerz für mich und andere in der Zukunft. … Warum sollen Menschen, die ich liebe, unter meinem Problem leiden?» Aber laut dem Bericht ignorierte die Gefängnisverwaltung Warnungen vor Epsteins Suizidgefahr und der Notwendigkeit, ihn zu schützen. Er sei zwar auch offiziell als suizidgefährdet eingestuft worden, aber dennoch «in seinen letzten Stunden allein und unbeaufsichtigt gelassen, entgegen den ausdrücklichen Anordnungen zu seiner Überwachung – ein Fehler, der direkt zu seinem Tod führte».

Anschliessend gingen Aufseher und Ermittler flagrant unprofessionell mit dem Tatort und den Beweismitteln in Epsteins Zelle um, so der Bericht. Dies habe massgeblich zu den anhaltenden Zweifeln an seinem Tod beigetragen. So habe nur ein Wärter Epsteins Leichnam in seiner Zelle gesehen und bei einem vergeblichen Wiederbelebungsversuch bewegt, sich dann aber nurmehr vage an dessen ursprünglich Lage erinnert und dies Ermittlern erst Jahre später mitgeteilt. Obendrein so sogar unsicher, mit welcher Schlinge Epstein sich das Leben genommen habe. 

Denn in der Zelle seien «mehrere geknotete Stoffstücke» gefunden worden und die einzige damals als Beweismittel sichergestellte habe sich Jahre später laut Einschätzung von Bundesermittlern als die falsche Schlinge herausgestellt. Obendrein sei der Tatort rasch desinfiziert und durch Gefängnismitarbeiter und Sanitäter so stark verschmutzt worden, dass Bundesermittler keine DNA-Spuren sicherten. Ob diese Schlamperei mit Absicht geschehen ist, dürfte Verschwörungstheorien weiter Auftrieb geben (Link).
 

Andreas Mink