Bürgermeister Jacob Frey wirft der Trump-Regierung die Verbreitung von «Bullshit» über den Vorfall vor.
Am Mittwochvormittag hat ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE im Rahmen einer gross angelegten Razzia in Minneapolis gegen meist seit Jahrzehnten am Ort lebende Immigranten aus Somalia eine inzwischen als Renee Nicole Good identifizierte US-Bürgerin aus nächster Nähe erschossen. Die junge Frau war laut Augenzeugenberichten anscheinend zufällig in die Razzia geraten. Der genaue Vorgang ist umstritten. Eine Sprecherin des Heimatschutzministeriums (DHS) behauptete, die Frau habe «ihr Fahrzeug als Waffe eingesetzt und versucht, unsere Polizeibeamten zu überfahren, um sie zu töten».
Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, widersprach dieser Darstellung am Mittwochnachmittag auf einer Pressekonferenz energisch und warf ICE vor, den Vorfall als Notwehr darzustellen. Er habe jedoch Augenzeugen-Videos davon gesehen und fühle sich genötigt, «direkt sagen, dass das völliger Bockmist ist.» Als besonnen und kompetent bekannt, amtet Frey seit 2018 als Bürgermeister der grössten Stadt von Minnesota. Dass er Bundesbehörden die Verbreitung von «Bullshit» vorwirft, ist höchst ungewöhnlich für den 44-Jährigen.
Augenzeugen beschrieben, dass Good in der Nachbar in ihrem SUV unterwegs war, von Beamten abrupt gestoppt wurde und dann anscheinend ihr Fahrzeug in Panik von den ICE-Agenten wenden und davon fahren wollte. Dabei schoss ein Beamter aus nächster Nähe drei- oder viermal auf sie und fügte ihr tödliche Kopfverletzungen zu.
Heimatschutzministerin Kristi Noem erklärte jedoch am Mittwochabend, der ICE-Beamte sei von Good «angefahren», in ein Spital gebracht aber bald wieder entlassen worden: «Dies war ein Akt des Inlandsterrorismus». Der Polizeichef von Minneapolis, Brian O’Hara, kritisierte derweil die von den ICE-Beamten angewandten Taktiken: «Ich kenne die genauen Umstände der Schiesserei nicht. Aber in jeder professionellen Strafverfolgungsbehörde des Landes ist es offensichtlich sehr besorgniserregend, wenn auf ein Fahrzeug geschossen wird, in dem sich eine unbewaffnete Person befindet.» Die meisten Strafverfolgungsbehörden im Land würden ohnehin sehr intensiv trainieren, um den Einsatzes tödlicher Gewalt zu minimieren (Link).
Der demokratische Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, verurteilte die Äusserungen von Noem und des Ministeriums als «Propaganda». Seit September haben ICE-Agenten mindestens neunmal auf anscheinend Unbewaffnete geschossen. Dabei kam laut der «New York Times» bereits mindestens ein Mensch um (Link).