Liste mit jüdischen und israelischen Unternehmen in Barcelona wurde nach Kritik vom Netz genommen.
Eine Online-Karte, die mehr als 150 jüdische und israelisch verbundene Unternehmen, Institutionen und Geschäfte in der Region Barcelona verzeichnete, ist nach scharfer Kritik von jüdischen Organisationen und Gemeindevertretern deaktiviert worden. Die interaktive Karte war unter dem Namen «Barcelonaz» auf einer französischen Plattform gehostet und hatte Nutzer aufgerufen, weitere Adressen jüdischer oder «zionistischer» Betriebe hinzuzufügen.
Hinter dem Projekt stand offenbar ein anonymer Kreis von Personen, der sich selbst als «Studierende, Professorinnen und Journalistinnen» bezeichnete. Ziel sei es gewesen, nach eigenen Angaben die «zionistische Wirtschaft» in Katalonien sichtbar zu machen und zu kritisieren. Neben lokalen jüdischen Geschäften und koscheren Einrichtungen waren auch multinationale Konzerne mit Verbindungen zu Israel markiert worden.
Jüdische Organisationen reagierten alarmiert: Der European Jewish Congress warnte, das öffentliche Sichtbarmachen jüdischer Lebensorte könne zu Diskriminierung, Einschüchterung und Vandalismus führen. Besonders kritisiert wurde, dass der Name der Karte bewusst das Wort «naz» enthalte – eine Anspielung, die historisch belastete Assoziationen wecke.
Auch die Jüdische Gemeinde von Barcelona äusserte sich besorgt. Vertreter verknüpften die Aktion mit einer Atmosphäre wachsender Feindseligkeit gegenüber Juden in Spanien und verwiesen auf jüngste antisemitische Angriffe, etwa in Australien, als warnendes Beispiel für die Gefährdung jüdischen Lebens weltweit.
Plattformbetreiber und Behörden reagierten auf die Proteste: Die Karte wurde vom Netz genommen, und es laufen Untersuchungen, um die Urheber zu identifizieren und mögliche rechtliche Schritte zu prüfen.
Hintergrund: Die Auseinandersetzung um «Barcelonaz» fällt in eine Zeit, in der jüdische Gemeinschaften in Europa wieder verstärkt vor digitalen und physischen Angriffen warnen. Kritiker betonen, dass das Markieren von Einrichtungen aufgrund religiöser oder nationaler Zugehörigkeit ein historisch belastetes Muster sei, das bereits in früheren antisemitischen Kampagnen eine Rolle gespielt habe.