Proteste gegen die US-Aussenpolitik, üble Angriffe auf Michele Obama und Spekulationen um Barron Trump trüben die blutige Geburtstags-Party für den nun 80-jährigen US-Präsidenten.
Während Mark Zuckerberg dem mächtigsten Geburtskind der Welt am Sonntag bei den blutigen Kämpfen der UFC-Champions ebenso die Ehre gab, wie der Paramount-CEO David Ellison und der UFC-Eigner Ari Emanuel (als CEO des Entertainment-Konzerns Endeavor) als Veranstalter, gab der Trump-Freund und UFC-Chef Dana White der Hoffnung Ausdruck, mit dem Spektakel «etwas Einheit im Land und in der Welt gestiftet und neue Fans gewonnen» zu haben. Zudem sei der «UFC Freedom 250» benannte Event keineswegs politisch getönt gewesen.
Diese Erwartung war schon im Vorfeld enttäuscht worden, als die UFC den amtierenden Mittelgewichtschampion Sean Strickland ausgeschlossen hatte. Der war noch 2024 ein begeisterter Trump-Fan und bereits durch chauvinistische Reden aufgefallen. Doch nach den amerikanischen Angriffen auf Iran vom Juni 2025 fiel Strickland von Trump ab und gab unter dem Eindruck des neuen Iran-Kriegs zunehmend feindselige Töne von sich: Trump werde von Netanyahu gesteuert, der Konflikt sei das Werk Israels und der Präsident sei zudem tief in die Epstein-Affäre verwickelt (Link).
Nach dem Bann von «UFC Freedom 250» wurde Strickland noch aggressiver und schwor auf Instagram, dennoch am Weissen Haus zu erscheinen. Kurz vor dem Event postete er auf X Fotos, die ein bekanntes Bild von Trump an der Klagemauer verspotten. Strickland lehnt darin an irgendeine Mauer, hat einen an einen Kippah erinnernden Teller auf dem Kopf und fragt dazu: «Wer hat es besser gemacht?» – also die Pose vor der Klagemauer eingenommen (Link).
Am Sonntag erschien Strickland denn auch auf dem Event ausserhalb des Weissen Hauses, wo sich Zehntausende Fans für Bildschirm-Übertragungen der Kämpfe versammelt hatten. Er wurde von Buhrufen empfangen und bald erschienen Agenten des Secret Service und führten ihn ab. Strickland war bald darauf wieder auf freiem Fuss.
Mit seiner offenen Feindseligkeit gegenüber Israel und jüdischen Symbolen liegt Strickland in einem breiteren Trend der MAGA-Bewegung und Figuren wie Tucker Carlson. Doch auch Trump-treue Fighter fielen am Sonntag durch politische Pointen auf niedrigstem Niveau auf. So rief der Schwergewichtler Josh Hokit nach seinem Sieg dem als Interviewer präsenten Podcaster Josh Rogan zu: «Michelle Obama ist ein Mann!» und löste damit Jubel in der Menge aus. Rogan grinste nur und Hokit setzte hinzu: «Habe ich recht, Amerika?»
Die Äusserungen lösten auf sozialen Medien einen Feuersturm der Empörung aus. So bezeichnete Jessica Tarlov von Fox News Hokit als «absoluten Abschaum» (Link). Daneben gab auch Barron Trump zu reden, der blass, betrübt und neuerdings etwas schwerer und ungepflegter erschien (Link).
Insgesamt produzierte der Abend also das Gegenteil der eleganten Gala-Nächte, mit denen die angeblich von Trump so sehr verehrten Kennedys einst Amerika und die Welt bezauberten. Aktuell bedrohlicher für Trump ist jedoch, dass das UFC-Zielpublikum von jungen Männern seit den Wahlen 2024 dramatisch gegen ihn dreht: Weiter steigende Lebenshaltungskosten und schwierige Zukunftsperspektiven treiben einen Trend, der durch den allgemein ungeliebten Iran-Krieg noch weiter forciert wurde. Obendrein geben insgesamt nur 16 Prozent der Befragten der Idee gute Noten, den UFC-Event vor dem Weissen Haus – dessen Eigner eigentlich die gesamte Nation ist – abzuhalten (Link).