Harsche Massnahme gegen Kunsthändler David Nahmad.
Am 16. Juni hat ein Richter am New York Supreme Court dem prominenten Kunsthändler David Nahmad eine Frist von 30 Tagen eingeräumt, um das 1918 entstandene Gemälde «Sitzender Mann mit Stock» von Amedeo Modigliani an die Familie des jüdischen Antiquitätenhändlers Oscar Stettiner zurückzugeben. Dieser hatte das Werk in seinem Pariser Geschäft zurückgelassen, als er während des Zweiten Weltkriegs vor den Nationalsozialisten floh. Das Bild verschwand anschliessend und tauchte später im Kunstmarkt auf. Das Urteil ist die jüngste Wendung in einem seit elf Jahren laufenden Rechtsstreit. Im April hatte das Gericht rechtskräftig entschieden, dass das auf rund 25 Millionen Dollar geschätzte Gemälde den Nachkommen Stettiners gehört. Diese werden von dem in Frankreich lebenden Enkel Philippe Maestracci vertreten.
Die Familie Nahmad hatte das Bild 1996 über deren Firma International Art Center für 3,2 Millionen Dollar erworben und in der Schweiz deponiert. Maestracci leitete 2011 rechtliche Schritte ein, um das Gemälde zurückzuerlangen. Unterstützt von der auf die Rückführung von Raubkunst spezialisierten Firma Mondex, reichte er 2015 Klage vor einem New Yorker Gericht ein, um die Herausgabe des Bildes zu erwirken.
Die Nahmads argumentierten, das fragliche Gemälde sei gar nicht im Besitz Stettiners gewesen und beantragten nach dem Rückgabe-Entscheid im April eine erneute Prüfung des Falls. Die Anwälte von Maestracci beantragten eine Abweisung dieses Antrags und setzte sich damit durch. Nach der Anordnung vom 16. Juni erklärte Familienpatriarch David Nahmad, er beabsichtige, Berufung einzulegen. Ein Anwalt von Maestracci gab anschliessend zu bedenken, dass Nahmads Vorgehen das Verfahren um weitere fünf Jahre in die Länge ziehen und «lediglich dazu führen könnte, dass sich die Rückgabe an den Erben des Holocaust-Opfers weiter verzögert» (Link).
Im April hatte das Gericht befunden, dass die Stettiner-Erben den Modigliani zu Recht beanspruchen und «zum Besitz des Gemäldes berechtigt» seien: «Oscar Stettiner war Eigentümer des Gemäldes … bevor es widerrechtlich beschlagnahmt wurde. Er hat es niemals freiwillig aus der Hand gegeben.» Beide Punkte würden durch eine Entscheidung eines französischen Gerichts aus dem Jahr 1946 gestützt, das Stettiner nach Kriegsende angerufen hatte. Das französische Gericht ordnete zwar die Rückgabe des Gemäldes an Stettiner an. Dieses sei jedoch bereits weiter verkauft worden und konnte nicht mehr aufgefunden werden. Stettiner hatte britische Staatsangehörigkeit und verstarb im Jahr 1948 in Frankreich.
Laut dem Gericht ist die Familie Stettiner 50 Jahre lang über den Verbleib des Gemäldes im Unklaren gelassen worden. Nahmad trage hierfür keine Verantwortung; dieser sei erst durch den Erwerb des Gemäldes bei Christie´s 1996 in den Fall verwickelt worden (Link).