Bizarre Affäre beim Gouverneurs-Wahlkampf in Colorado.
Mit 61 kann Victor Marx auf eine bunte Karriere zurückschauen. Allem Anschein nach nicht jüdischer Herkunft, ist der 61-Jährige nach einem kurzen Dienst bei den Marines als selbsternannter Prediger mit der Spezialität Exorzismus tätig. In Louisiana aufgewachsen, berichtet er von schweren Misshandlungen in der Kindheit. Mit Sieben hat ihn ein Stiefvater angeblich gezwungen, einen Mann zu erschiessen. Als Fundamentalisten-Prediger mit drei Millionen-Gefolgschaft auf Sozialen Medien will er anhin «45.000 Frauen und Kinder vor Missbrauch gerettet» haben. Handfeste Belege dafür gibt es ebenso wenig, wie für seine mörderische Kindheit.
Dennoch ist Marx im Dunstkreis der MAGA-Bewegung gut angesehen, trat häufig an Events der von Charlie Kirk gegründeten «Turning Point USA» auf – und ist neuerdings als republikanischer Kandidat für die Gouverneurs-Wahlen in Colorado gegen den demokratischen Generalstaatsanwalt Phil Weiser unterwegs. Der Nachkomme von Holocaust-Überlebenden hat an der New York Law School studiert.
Dabei greift Marx nun auf sein Handwerk als Teufelsaustreiber zurück. Seine Kampagne verteilt Flugblätter, die Weiser mit roten Hörnern darstellt und ihn als «radikal, extrem und gefährlich» denunzieren (Link). Weiser und seine Partei verurteilen die auf uralten Klischees basierende Hasspropaganda als schändliches und ekelhaftes Beispiel von Antisemitismus.
Marx scheint davon nicht beeindruckt und stellte einen Beitrag auf X, der die Grafik zeigt. Dazu ruft er Republikaner dazu auf, gegenseitige Angriffe einzustellen, «sich zu vereinen, fokussiert zu bleiben und zu gewinnen». Denn der Aussenseiter Marx konnte bei den Vorwahlen alteingesessene Konservative nur knapp schlagen und hat sich viele Feinde im rechten Lager geschaffen. Dies auch mit Behauptungen, wonach der nach dem 7. Oktober 2023 der erste Amerikaner im Gazastreifen gewesen sei. Daneben werfen ihm Republikaner Betrug mit Wahlspenden vor.
Beim Wahlvolk insgesamt kommt Marx schlecht an. Weiser liegt bei Umfragen deutlich vorn. Aber anhin hat sich seine Partei noch nicht von Marx und seinen Teufeleien distanziert (Link).