Das historische Deportationsgelände frei für Aktivisten
Ein Hamburger Gericht hat ein mehrtägiges pro-palästinensisches Protestcamp im Park Moorweide erlaubt – jenem Ort, von dem aus die Nationalsozialisten 1941 mehr als tausend Hamburger Juden in das Ghetto von Łódź deportierten. Die Veranstaltung der Gruppe «Bridges of Resistance» findet seit dem 9. Mai statt und endet mit einer Demonstration zum Hamburger Hafen anlässlich des palästinensischen Nakba-Gedenkens.
Die Organisatoren erklärten, die Wahl des Ortes sei bewusst erfolgt und solle auf historische «Kontinuitäten» von Vertreibung aufmerksam machen. Vertreter der jüdischen Gemeinde reagierten empört. Hamburgs Oberrabbiner Shlomo Bistritzky sprach von grosser Sorge innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. In einem offenen Brief bezeichneten jüdische Gruppen das Camp als «Verhöhnung der Opfer» der Schoah.
Die Stadt Hamburg und die Polizei wollten die Kundgebung ursprünglich verlegen und verwiesen auf die historische Sensibilität des Geländes sowie die Gefahr antisemitischer Vorfälle. Nach Beschwerden der Veranstalter entschieden jedoch Hamburger Gerichte, dass keine ausreichende Grundlage für ein Verbot bestehe. Ausschlaggebend war unter anderem, dass sich das Camp nicht direkt auf dem eigentlichen Gedenkareal befindet, sondern räumlich davon getrennt ist.
Der Fall reiht sich in eine breitere Debatte in Deutschland über pro-palästinensische Proteste an Holocaust-Gedenkorten ein. Erst im April hatten Behörden eine ähnliche Kundgebung am ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald verboten; ein Gericht bestätigte damals das Verbot mit Verweis auf die Würde der NS-Opfer. (Link)