Iran-Krieg 30. Sep 2026

Experten warnen von neuer Eskalations-Strategie

Ein US-Seemann auf dem Flugdeck des Lenkwaffenzerstörers der Arleigh-Burke-Klasse USS Mason Anfang September.

Gefahr für Untersee-Kabel in der Strasse von Hormus?  

Während neue Vermittlungs-Versuche von Katar und Pakistan die Schlagzeilen dominieren, hält der Konflikt zwischen Iran und den USA auf niedrigerer Flamme durch die Blockade iranischer Seehäfen durch die US-Navy und realen oder angedrohten Attacken der Iraner auf Schiffe aus Golfstaaten an. Anscheinend nehmen in der Islamischen Republik Befürchtungen über neue Bombenangriffe der USA und Israels zu. Die Bevölkerung hortet demnach Nahrungsmittel und medizinische Güter (Link).

Daneben könnte Iran jedoch eine Eskalation des Konfliktes auf eine neue Ebene vorbereiten. Dazu hat der Strategie-Think Tank RAND Corporation eine Studie vorgelegt. Thema ist das Netz aus Unterseekabeln im Persischen Golf, das die Region mit der Aussenwelt verbindet. Demnach erwägt Iran Angriffe auf die Kabel, was in den relativ flachen Gewässern des Golfs mit einer durchschnittlichen Tiefe von nur 50 Metern technisch durchaus machbar wäre. 

Die Kabel gelten als ein weitgehend unsichtbares Fundament der Weltwirtschaft und übertragen mehr als 95 Prozent des internationalen Datenverkehrs weit jenseits der Internet- und Telefonnutzung hinaus hin zu Finanztransaktionen, staatlicher Kommunikation sowie der zunehmend datenintensiven Abläufe im Technologiesektor.

Grosse Technologieunternehmen wie Google, Amazon, Meta und Microsoft investieren massiv in die Unterwasser-Konnektivität, während sie ihre Rechenzentrum-Netzwerke ausbauen und den wachsenden Anforderungen der KI gerecht werden wollen. Arabische Golfstaaten haben im Zuge ihrer wirtschaftlichen Diversifizierung weg von fossilen Brennstoffen Hunderte Milliarden Dollar in KI investieren. Damit könnten Störungen dieser Infrastruktur schwere wirtschaftliche Schäden bringen.

Zu den wichtigsten Kabelnetzwerken gehört das Unterseekabelsystem «Fibre in Gulf», das Bahrain, den Irak, Kuwait, den Oman, Katar, Saudi-Arabien und die VAE miteinander verbindet. Hinzu kommt das «Falcon Network», das Bahrain, Ägypten, Indien, den Irak, Kuwait, die Malediven, den Oman, Katar, Saudi-Arabien, Sri Lanka, den Sudan und den Jemen vernetzt. Des Weiteren gibt es das Netzwerk «Asia-Africa-Europe 1» (AAE-1) mit Landepunkten im Oman, in Katar, Saudi-Arabien und den VAE, das Südostasien über Ägypten mit Europa verbindet; sowie «Gulf Bridge International» zwischen Bahrain, Iran, Irak, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien sowie der VAE mit Weiterverbindungen nach Indien und Europa. 

Laut der Analyse verfügt Iran über ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge (ROV) zur Minenräumung, womöglich aber zudem weitere, anhin unbekannte Instrumente für Sabotage-Akte an Untersee-Kabeln (Link).

Andreas Mink