Der CEO von Axel Springer mit eindringlicher Rede vor dem Jüdischen Weltkongress.
Gestern Montag hielt Mathias Döpfner an der Jubiläumstagung des Jüdischen Weltkongress in Genf eine Grundsatzrede. Der Vorstandsvorsitzende des Medienkonzerns Axel Springer bezeichnete Antisemitismus als globale, ideologische Bewegung, die nicht allein jüdische Gemeinschaften, sondern die Zukunft der westlichen Zivilisation bedrohe. Döpfner prangerte den weltweiten Anstieg von Judenhass nach den Terroranschlägen der Hamas vom 7. Oktober an und hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für den Zionismus, demokratische Werte sowie Israels Recht auf Selbstverteidigung.
Schon unmittelbar nach dem Terror hätten Verharmlosung und Rechtfertigungen dafür eingesetzt. Dahinter sieht Döpfner eine Wandlung von Antizionismus zu einem modernen Vehikel für den Antisemitismus: «Nicht der Zionismus ist Rassismus. Vielmehr ist der Antizionismus Rassismus.» Er stellte die rhetorische Frage: «Warum sollte der Zionismus eine Idee und ein Ziel sein, das nur Juden vertreten können?» und gab die Antwort: «Ich bin Zionist.»
Unterstützung für Israel sei untrennbar mit der Verteidigung der Demokratie und der Werte der Aufklärung verbunden: «Das Recht eines Volkes, in Sicherheit zu leben. Das Recht auf Selbstverteidigung. Das Recht, nicht erneut vom Wohlwollen anderer abhängig zu sein. Wer diese Rechte infrage stellt, stellt nicht nur Israel infrage – sondern die Prinzipien, auf denen freie Gesellschaften gründen.»
Antisemitismus sei in gefährliche neue Phase eingetreten, die weltweit durch ideologische Radikalisierung, das Versagen institutioneller Eliten und die Verstärkung durch soziale Medien aufgeheizt werde. Konkret müsse «die `Woke´-Ideologie als ein Trojanisches Pferd für Antisemitismus und Islamismus entlarvt» werden.
Döpfner umriss einen Fünf-Punkte-Plan zur Bewältigung der Krise: eine «Null-Toleranz-Politik gegenüber offenem Judenhass», entschlosseneres Vorgehen gegen antisemitische Hetze im Internet, eine Ausweitung der Holocaust-Bildung sowie eine stärkere Unterstützung des jüdischen Lebens in Europa: «Wenn der Westen – das heisst: die freie Welt – den Antisemitismus nicht besiegt, wird er sich selbst zerstören.»
Zuvor hatte WJC-Präsident Ronald S. Lauder direkte Parallelen zwischen der Gründung des WJC im Jahr 1936 in Genf und den wachsenden globalen Bedrohungen jüdischer Gemeinden heute gezogen: «Vor neunzig Jahren versammelte sich hier in Genf eine kleine Gruppe jüdischer Führungspersönlichkeiten, weil sie die von Nazi-Deutschland ausgehende Gefahr erkannten und begriffen, dass die Welt sich weigerte, zuzuhören». Heute erlebe die Welt «erneut eine dunkle Stunde für das jüdische Volk – und dieses Mal werden die Folgen nicht auf die Juden beschränkt bleiben.»
Lauder würdigte Döpfner für seine klare Verteidigung Israels und des jüdischen Volkes angesichts wachsender Feindseligkeit in der internationalen Medienlandschaft und bezeichnete ihn als «gerechten Nichtjuden»: «Mathias erinnert mich an einen jener mutigen Seeleute aus der Ära der Segelschiffe, die in einen Sturm steuern und sich weigern, den Mast loszulassen.»
Die Konferenz eröffnete am Sonntagabend. Hier zum Artikel Link.