Iran 05. Jan 2026

Die Islamische Republik in existentieller Krise

Demonstrierende ziehen durch die Innenstadt von Teheran im Iran.  

Druck durch Demonstrationen und mögliche Attacken Israels und der USA.

Die von wirtschaftlicher Not und Empörung motivierten, wachsenden und zunehmend militanten, landesweiten Proteste im Iran stellen die Herrschaft des religiösen Regimes in Frage. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der «New York Times». Dies in Kombination mit einer militärischen Bedrohung durch Israel und die USA. Die Regierung in Teheran scheine diesen Problemen nicht gewachsen zu sein. Es fehle an einer Strategie gegen den von Korruption und Sanktionen getriebenen, wirtschaftlichen Zusammenbruch. Zudem gebe es keinerlei Anzeichen für Interesse an Zugeständnissen bei dem Atomprogramm Irans, um Israel und die USA zu beschwichtigen und von einer weiteren Angriffswelle abzuhalten.

Trump hatte am Freitag mit einer Intervention gedroht und angekündigt, die USA würden friedlichen Demonstranten zu Hilfe kommen, falls der Iran sie töte. Auch israelische Regierungsvertreter sprachen sich für die Demonstranten aus: «Israel steht an eurer Seite und unterstützt euch nach Kräften.» Zudem wird Trumps Intervention in Venezuela als Warnung an Iran gesehen. Das Regime dort ist sich der aus der katastrophalen Wirtschaftslage rührende Gefahr bewusst. So gibt der Hardliner Ali Gholhaki der Times gegenüber zu bedenken: «Wenn die Bereitschaftspolizei, die Sicherheitskräfte und das Militär wirtschaftlich ums Überleben kämpfen, brechen die Verteidigungslinien der Regierung zusammen.»

Regime-nahe Quellen erklärten der Times, Krisensitzungen der Regierung in Teheran hätten anhin keine Auswege aus der akuten Krise ergeben. Die Islamische Republik sei im «Überlebensmodus … und Verantwortliche scheinen kaum über Mittel zu verfügen, um die drängenden Herausforderungen einer zusammenbrechenden Wirtschaft, die die Unruhen anheizt, oder die drohende Gefahr eines weiteren Konflikts mit Israel und den USA zu bewältigen». Präsident Masoud Pezeshkian hat öffentlich sogar erklärt, er habe «keine Ideen» zur Lösung der zahlreichen Probleme Irans: «Wir müssen akzeptieren, dass wir auf das Volk hören müssen.» Praktische Folgen hatte diese Einsicht anhin nicht.

Seit einer Woche fordern immer grössere Menschenmenge das Ende der islamischen Klerikerherrschaft mit Parolen wie «Tod Khamenei» und «Freiheit, Freiheit». In einer gemeinsamen Erklärung riefen 17 iranische Demokratieaktivisten, darunter die inhaftierte Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi und die Filmregisseure Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof, die Sicherheitskräfte dazu auf, von Angriffen auf Demonstranten abzusehen: «Der einzige Weg zur Rettung Irans ist der Übergang weg von der Islamischen Republik.» Diese Forderung sei weder vorübergehend noch könne sie unterdrückt werden (https://www.nytimes.com/2026/01/04/world/middleeast/iran-protests.html).

Andreas Mink