Generalstabschef Zamir schlägt Alarm.
An einer Sitzung des israelischen Sicherheitskabinetts hat Generalstabschef Eyal Zamir laut lokalen Medien gewarnt, die IDF stünden kurz vor dem Zusammenbruch. Grund dafür seien die steigenden operativen Anforderungen und der zunehmende Personalmangel. Die Streitkräfte bräuchten «dringend ein Wehrpflichtgesetz, ein Gesetz zur Reservepflicht und ein Gesetz zur Verlängerung des obligatorischen Wehrdienstes.» Das Militär werde «bald nicht mehr für ihre regulären Einsätze bereit sein, und das Reservesystem wird nicht mehr funktionieren.»
Die Berichte über Zamirs Alarmruf lösen ein breites Echo aus, angefangen bei Vorwürfen von Oppositionspolitikern an die Netanyahu-Regierung, die Sicherheit des Landes zu vernachlässigen und Ultraorthodoxe nicht in die Wehr-Pflicht zu nehmen.
Der Chef des Zentralkommandos, Generalmajor Avi Bluth, soll an der gleichen Sitzung gewarnt haben, dass die Regierungspolitik im Westjordanland die ohnehin schon angespannte Personallage der IDF belaste. Die Errichtung zahlreicher Siedlungen im gesamten Westjordanland, sowie die eskalierenden Gewaltakte von Siedlern gegen Palästinenser erfordere eine verstärkte Sicherheitspräsenz.
Die Siedler-Angriffe haben seit Beginn der amerikanisch-israelischen Attacken auf Iran vor vier Wochen stark zugenommen. Die IDF hat deshalb ein für den Einsatz im Libanon vorgesehenes Infanterie-Bataillon ins Westjordanland verlegt.
Oppositionsführer Yair Lapid warf der Regierung vor, die Armee «ohne Strategie, mit unzureichenden Ressourcen und mit zu wenigen Soldaten in einen Mehrfrontenkrieg zu schicken». Geboten sei nun eine deutliche Verstärkung bei der Einberufung ultraorthodoxer Männer in die IDF.
Netanyahus Büro wies die Medienberichte als Verzerrung von Äusserungen Zamirs zurück. Dieser habe vielmehr die Verabschiedung von Gesetzen zur Einberufung in den Reservedienst sowie die Verlängerung des Pflichtwehrdienstes gefordert. Beides sei in Arbeit. Die IDF-Führung lehnt das fragliche Gesetz zur Wehrdienstbefreiung laut der «Times of Israel» jedoch ab, da der Entwurf nicht zur Behebung des Personalmangels ausreiche.
Zamir hatte bereits etwa im Januar ähnliche Warnungen ausgesprochen. Die IDF teilte mit, sie benötige aufgrund der Belastung der aktiven Truppen und der Reservekräfte durch den Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen sowie durch weitere militärische Herausforderungen dringend 12.000 Rekruten – vorwiegend Kampftruppen. Zamir drängte die Regierung dazu, die Dauer des Pflichtwehrdienstes für Männer wieder auf 36 Monate zu verlängern, nachdem diese im August 2024 auf 30 Monate herabgesetzt worden war (Link).