Mamdani-Debatte vertieft Streit über Antisemitismus und Israel in den USA.
Ein Video des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani hat in den USA eine intensive Debatte über Antisemitismus, Israelkritik und Zionismus ausgelöst. Darin bezeichnet Mamdani den israelischen Ministerpräsidenten Binyamin Netanyahu als «Kriegsverbrecher» und «Architekten eines schrecklichen Genozids» und erklärt zugleich, New York könne einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs nicht vollstrecken.
Führende Rabbiner wie Joshua Davidson und Angela Buchdahl warfen Mamdani vor, mit seiner Wortwahl ein Klima zu schaffen, das Juden verunsichere und Gewalt gegen sie begünstige. Die Kritik erhielt zusätzliche Brisanz, nachdem wenige Tage später ein Jude in der Nähe einer Synagoge in Manhattan niedergestochen wurde. Zwar gebe es keine Belege für einen direkten Zusammenhang, dennoch argumentieren viele jüdische Vertreter, politische Rhetorik könne antisemitische Stimmungen verstärken.
Mamdanis Unterstützer weisen diesen Vorwurf zurück. Sie betonen, scharfe Kritik an der israelischen Regierung sei nicht automatisch antisemitisch. Vertreter progressiver jüdischer Organisationen werfen etablierten Verbänden vielmehr vor, den Antisemitismusbegriff zunehmend zu verwenden, um Kritik an Israels Politik zu delegitimieren.
Im Zentrum der Kontroverse steht die Frage, wie eng jüdische Identität und Zionismus miteinander verbunden sind. Während Rabbiner Buchdahl argumentiert, Mamdani stigmatisiere einen grossen Teil der jüdischen Gemeinschaft, weil viele Juden eine enge emotionale Bindung zu Israel hätten, hält der Publizist Peter Beinart dagegen, jüdische Organisationen würden einerseits betonen, amerikanische Juden seien nicht für Israels Politik verantwortlich, andererseits aber Israel zum unverzichtbaren Bestandteil jüdischer Identität erklären.
Auch der links der Anti-Defamation League positionierte Nexus Project warnt vor einer Vermischung von Judentum und Israel. Die Organisation bezeichnete den Vorwurf, Mamdanis Video sei antisemitisch, als unbegründet. Zugleich fordert sie den Bürgermeister auf, sensibler über Israel und Palästina zu sprechen und die Wirkung seiner Aussagen stärker zu berücksichtigen.
Eine Umfrage des Jewish People Policy Institute zeigt die Spaltung innerhalb der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft: Die Hälfte der Befragten bewertet Netanyahus Führung negativ. Zugleich halten 69 Prozent der befragten «verbundenen» Juden Mamdani sowohl für antiisraelisch als auch für antisemitisch.