Wegen Verhaftungen von Wehrdienstverweigerern.
Der Konflikt um die Einberufung ultraorthodoxer Männer zum Militärdienst in Israel spitzt sich weiter zu. Hunderte charedische Demonstranten versammelten sich am Mittwoch vor dem Wohnhaus einer ranghohen israelischen Richterin, die als mit Entscheidungen im Zusammenhang mit der Verhaftung von Wehrdienstverweigerern befasst gilt. Nach Berichten drangen einige Protestierende bis auf das Grundstück vor und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Die Aktion reiht sich in eine Serie eskalierender Proteste ein. Bereits in den vergangenen Tagen hatten Zehntausende Ultraorthodoxe landesweit Strassen blockiert, Bahngleise besetzt und gegen die Verhaftung von Männern demonstriert, die Einberufungsbefehlen der Armee nicht Folge geleistet hatten. Auch Polizeistationen wurden zeitweise belagert oder gestürmt.
Hintergrund ist die historische Entscheidung des israelischen Obersten Gerichts aus dem Jahr 2024, wonach die jahrzehntelangen Ausnahmen vom Militärdienst für Jeschiwa-Studenten nicht länger rechtmässig sind. Seither erhöht die Armee den Druck auf Wehrdienstverweigerer, während charedische Parteien und Rabbiner Widerstand leisten.
Die Demonstration vor dem Wohnhaus der Richterin wird von Politikern und Juristen als weiterer Tabubruch gewertet. Bereits Ende April hatten Ultraorthodoxe das Haus des Chefs der Militärpolizei in Aschkelon gestürmt. Beobachter sehen darin eine zunehmende Radikalisierung des Protests gegen die Wehrpflicht und eine direkte Einschüchterung staatlicher Institutionen.