Nach einem halben Jahrhundert gibt der Dirigent und Musikwissenschaftler die Präsidentschaft von Bard College am Hudson ab.
Am Wochenende hat das Kuratorium des Bard College den Rücktritt von Leon Botstein als Präsident bekannt gegeben. Zuvor hatte das Gremium die Beziehungen Botsteins zu Jeffrey Epstein untersuchen lassen. Ergebnis war ein Bericht, der keinerlei Vergehen des 79-Jährigen erbracht hat. Dennoch habe Botstein «im Verlauf dieser Beziehung Entscheidungen getroffen, die ein schlechtes Licht auf seine Führung des Bard College werfen». Botstein hat seine Position mit 28 Jahren angetreten. Er wurde 1946 als Sohn von Holocaust-Überlebenden in Zürich geboren und trägt den Namen eines Onkels, der im Warschauer Ghetto ums Leben gekommen war.
Botsteins Beziehungen zu Epstein waren bekannt. Doch im Januar brachten neue Akten neue Details zutage. Das zwei Stunden nördlich von New York City gelegene College beauftragte daraufhin die Kanzlei WilmerHale mit einer Untersuchung. Diese ergab, dass Botstein seine Verbindungen zu Epstein «verharmlost und nicht vollumfänglich wahrheitsgemäss dargestellt» hatte. So habe er 25 Besuche in Epsteins Stadthaus in New York City sowie eine zweitägige Reise auf dessen Karibik-Insel unternommen. Botstein hatte sich daran zunächst nicht erinnern können. Zudem habe Epstein Frauen zu Veranstaltungen auf dem Campus des Bard College mitgebracht und Botstein habe sich nach eigenem Bekunden nicht gefragt, ob diese in Gefahr sein könnten. Dabei war ihm zu dieser Zeit bekannt, dass Epstein ein verurteilter Sexualstraftäter war.
Mindestens ein Dozent hatte laut dem Bericht gegen Botsteins Bemühungen protestiert, Spenden bei Epstein einzuwerben. Botstein habe jedoch «vehement argumentiert, dass der finanzielle Bedarf des Bard College von überragender Bedeutung gewesen sei. Seine Haltung lautete: `Ich würde Geld selbst vom Satan annehmen, wenn es mir ermöglichte, Gottes Werk zu verrichten.´»
Epstein hat laut Medienberichten direkt und über seine Stiftung von 2011 bis 2016 rund 150.000 Dollar, sowie 66 Laptops an Bard gespendet und dazu 150'000 Dollar an Botstein. Dieser hat den Betrag an das College weiter gegeben.
Das Kuratorium sprach Botstein Dank für seinen fünf Jahrzehnte währenden Dienst am Bard College aus und kündigte eine Stärkung der Richtlinien beim Prüfen von Spendern, Spendenwerbung und Interessenkonflikten an.
Botstein gilt dank seines unermüdlichen Engagements als Spendensammler als Retter von Bard und hatte vor einigen Jahren eine halbe Milliarde Dollar bei George Soros eingeworben. Er geniesst daneben als Dirigent und Musikwissenschaftler Weltruf. Zu seinen Initiativen bei Bard zählt die Leitung eines Studentenorchesters, das im vergangenen Jahr in Nürnberg auf dem Reichsparteitags-Gelände auftrat, um damit ein Zeichen gegen den Autoritarismus zu setzen (Link).