Tel Aviv 23. Aug 2026

Bennett warnt vor Gewalt 

Gadi Eisenkot und Naftali Bennett, Januar 2026.

Israels früherer Ministerpräsident Naftali Bennett hat Binyamin Netanyahu als «Anarchisten» bezeichnet. Dessen aggressive Wahlkampagne könne zu Gewalt gegen politische Gegner führen.

In einem Interview mit dem israelischen Fernsehsender Channel 12 warnte Bennett vor den Folgen der Kampagne von Ministerpräsident Binyamin Netanyahu und dessen Umfeld. Die tägliche «Gehirnwäsche» durch regierungsnahe Medien und soziale Netzwerke könne Menschen dazu bringen, politische Gegner als existenzielle Feinde zu betrachten und gewaltsam gegen sie vorzugehen.

Besonders gefährdet sei nach Bennetts Einschätzung der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot, der Netanyahu bei der Wahl vom 27. Oktober herausfordert und anders als Bennett keinen persönlichen Sicherheitsdienst besitzt. Die Kampagne richte sich auch gegen Avigdor Liberman und Yair Golan.

Bennett berichtete zudem von einem Gespräch kurz vor seinem Amtsantritt 2021. Netanyahu habe ihm damals angekündigt, ihn mit «schwerer Artillerie» als Verräter zu brandmarken, sollte er eine Regierung ohne den Likud bilden. Tatsächlich sei danach eine beispiellose Kampagne gegen ihn losgebrochen.
Der heutige Netanyahu habe nach Ansicht Bennetts wenig mit dem besonnenen Politiker zu tun, den er früher gekannt habe. Aus einem Konservativen sei ein Revolutionär geworden, dessen Führungsstil autoritär und monarchisch sei. Bennett sprach von einer «Anarchie im Staat Israel» und forderte eine Begrenzung der Amtszeit von Ministerpräsidenten.

Zugleich erklärte der Vorsitzende der Partei B’Yachad, er sei bereit, nach der Wahl auch eine untergeordnete Rolle zu übernehmen, falls dies die Ablösung der Regierung ermögliche. Bennett beansprucht zwar die grösste Regierungserfahrung im oppositionellen Lager, doch Eisenkot hat ihn in jüngsten Umfragen als wichtigsten Herausforderer Netanyahus überholt.

Die Aussagen begleiten die Veröffentlichung des Buches «Bennett: Hour of Truth» des Journalisten Ari Shavit, das auf zahlreichen Gesprächen mit dem früheren Regierungschef beruht.  

Redaktion