Reaktion auf Social Media-Kommentar zum Tod des Rechtsextremisten Quentin Deranque.
Frankreich bestellt den US-Botschafter Charles Kushner in das Aussenministerium ein. Dies teilte Aussenminister Jean-Noël Barrot am Sonntag mit. Grund sei, dass sich die US-Botschaft in Frankreich zu einer «Tragödie geäussert hat …, welche die nationale Gemeinschaft betrifft… Wir lehnen jeden Versuch ab, diese Tragödie … für politische Zwecke zu instrumentalisieren.»
Auslöser sind von der Botschaft geteilte Kommentare der Anti-Terror-Abteilung des US-Aussenministeriums zum Tod Rechtsextremisten Quentin Deranque am 12. Februar in Lyon. Demnach sei in Frankreich «gewaltsamer Linksextremismus auf dem Vormarsch» und der Tod von Deranque mache diese Gefahr für die öffentliche Sicherheit deutlich: «Wir werden die Lage weiterhin beobachten und erwarten, dass die Gewalttäter vor Gericht gestellt werden», so der Post weiter. Barrot will mit dem Vater von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner zudem die von Washington angekündigten Sanktionen gegen Thierry Breton diskutieren, der als EU-Kommissar für die Überwachung der Social-Media-Regeln zuständig war, sowie US-Sanktionen gegen Nicolas Guillou, einen französischen Richter am Internationalen Strafgerichtshof (Link).
In Lyon hatten am Samstag rund 3000 Menschen «Gerechtigkeit für Quentin» gefordert. Darunter waren laut Medienberichten «Vertreter der extremsten Gruppierungen der europäischen Rechten». Deranques Familie hatte daran nicht teilgenommen. Zuvor hatten Neonazis in Paris einen nächtlichen Marsch zu Ehren von Deranque abgehalten und es war zu Angriffen auf Büros der linken Partei «La France Insoumise» (LFI) gekommen, während der Place de la République in der Hauptstadt mit Hakenkreuzen und antisemitischen Parolen beschmiert worden war.
Deranque gehörte der rechtsextremen, Identitären Gruppe Audace Lyon und der neofaschistischen Allobroges Bourgoin an. Zuvor war er für die antisemitische, royalistische Gruppe Action Française aktiv. Der 23-Jährige hatte im vergangenen Mai an der Parade des Neonazi-Komitees «9. Mai» in Paris teilgenommen, bei der schwarz gekleidete Aktivisten unter Fahnen mit dem keltischen Kreuz aufmarschiert waren, einem Symbol der weissen Vorherrschaft.
Am Donnerstag hatte ex-Premierminister Dominique de Villepin auf Social Media auf die Ermordung des amerikanischen Aktivisten Charlie Kirk im September Bezug genommen und gewarnt, Frankreich drohe ein «Charlie Kirk-Moment». Neonazis würden versuchen «Teile des politischen Spektrums zu delegitimieren und die triumphierende extreme Rechte als Opfer darzustellen. Bleiben wir wachsam. Wir dürfen der extremen Rechten kein Terrain überlassen.»
Deranque ist am 12. Februar unter bisher ungeklärten Umständen bei einer Schlägerei zwischen vermummten Links- und Rechtsextremisten rund um das Institut für Politische Studien von Sciences Po Lyon umgekommen, wo die französisch-palästinensische LFI-und Europaabgeordnete Rima Hassan einen Vortrag halten sollte (Link).