Buenos Aires 21. Jul 2026

Argentiniens Juden machen WM-Fangesang zum Ruf nach Gerechtigkeit

Die Gedenkveranstaltung zum 32. Jahrestag des AMIA-Anschlags in Buenos Aires am 17. Juli.  

32 Jahre nach dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires hat die jüdische Gemeinschaft Argentiniens einen der bekanntesten Fussball-Fangesänge des Landes in einen Appell für Gerechtigkeit verwandelt. 

Unter dem Slogan «No nos olvidamos» («Wir vergessen nicht») fordern Angehörige der Opfer und jüdische Organisationen erneut die vollständige Aufklärung des Attentats vom 18. Juli 1994, bei dem 85 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt wurden – bis heute der schwerste Terroranschlag in der Geschichte Argentiniens. 
Der umgedichtete Gesang, der während der Fussball-Weltmeisterschaft grosse Verbreitung fand, verbindet nationale Fussballbegeisterung mit der Forderung nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Die Kampagne richtet sich insbesondere an jüngere Generationen und soll verhindern, dass das Attentat in Vergessenheit gerät. Viele Argentinier kennen den WM-Song, sodass die Botschaft weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus Aufmerksamkeit erhält. 
Die AMIA-Gemeinde und Angehörigen der Opfer kritisieren seit Jahren, dass die Hintermänner des Anschlags trotz umfangreicher Ermittlungen nie vor Gericht gestellt wurden. Die argentinische Justiz macht hochrangige iranische Funktionäre und die libanesische Hisbollah für die Planung des Anschlags verantwortlich; Teheran weist die Vorwürfe zurück. Interpol hält weiterhin internationale Fahndungsersuchen gegen mehrere Beschuldigte aufrecht. 
Die diesjährige Gedenkkampagne zeigt, wie eng Erinnerungskultur und Fussball in Argentinien miteinander verknüpft werden können – und wie ein populärer Stadiongesang zu einem Symbol für den anhaltenden Kampf gegen Straflosigkeit geworden ist. 

Redaktion