Antwerpen 16. Feb 2026

Antisemitismus oder Kinderschutz?

Der US-Botschafter in Belgien, Bill White, im Jahr 2025.

US-Botschafter fordert Belgien auf, Ermittlungen gegen jüdische Mohel einzustellen.  

Der US-Botschafter in Belgien, Bill White, hat Belgien öffentlich aufgefordert, eine staatliche Untersuchung gegen jüdische Mohel – religiöse Beschneider – zu beenden. In einem auf X verbreiteten Post bezeichnete White die Ermittlungen gegen drei Beschneider in Antwerpen als „lächerlich und antisemitisch“ und forderte Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke dazu auf, gesetzliche Regelungen zu schaffen, die rituelle Beschneidungen rechtlich schützen. 
Die Ermittlungen richten sich gegen mehrere Männer, denen vorgeworfen wird, bei rituellen Beschneidungen unsichere Praktiken angewandt zu haben. Hintergrund ist eine Strafverfolgung, die vor rund einem Jahr begann, nachdem ein lokaler Rabbiner in Antwerpen Strafanzeige gegen sechs Mohel erstattet hatte, die unter anderem die traditionelle Praxis Metzitzah b’peh ausüben, bei der der Beschneider die Wunde mit dem Mund säubert. 
Nach belgischem Recht dürfen Beschneidungen nur von medizinisch qualifizierten Fachkräften durchgeführt werden. Religiöse Ausnahmen, wie sie in einigen anderen europäischen Ländern gelten, existieren derzeit nicht. Behörden hatten vor diesem Hintergrund im vergangenen Jahr mehrere Durchsuchungen in Antwerpen durchgeführt. 
White kritisierte in seinem Post, Belgien sei ein „zivilisiertes Land“, das seine jüdischen Mitbürger nicht durch solche Verfahren belasten dürfe, und rief dazu auf, die Verfolgung der Mohel sofort zu beenden, um die bilateralen Beziehungen nicht zu gefährden. Der Diplomat kündigte zudem an, kommende Woche nach Antwerpen zu reisen, um sich vor Ort mit den Betroffenen zu treffen. 
Belgische Regierungsvertreter haben bislang nicht öffentlich auf den Vorstoss des US-Botschafters reagiert. Unabhängig davon wächst in jüdischen Gemeinden Europas die Sorge, dass strengere gesetzliche Auslegungen von Gesundheits- und Religionsrecht traditionelle Praktiken wie die Brit Mila – die rituelle Beschneidung männlicher Neugeborener – stärker in Konflikt mit staatlichen Vorschriften bringen könnten. 

Redaktion