Vorgreifende Intervention auch gegen jüdische Linksliberale.
Die Anti-Defamation League hat gestern Mittwoch auf die «blaue Welle» bei den Kongresswahlen laut «Jewish Insider» mit «ungewöhnlich konfrontativen Erklärungen» regionaler Abteilungen reagiert, die neu gewählte Linksliberale im Umfeld der «Democratic Socialists of America» (DSA) bereits vor dem Antritt ihrer Mandate im Januar «verurteile» und «Bedenken hinsichtlich ihrer Herangehensweise zu Antisemitismus vorbringe». Die ADL unterstellt den Kongress-Neulingen etwa «ein zutiefst fehlerhaften Verständnisses von Antisemitismus» und die Schaffung eines «feindseligen Umfelds für die jüdische Gemeinschaft».
Genannt werden Claire Valdez, Brad Lander und Darializa Avila Chevalier aus New York; Adam Hamawy aus New Jersey; Daniel Biss aus Illinois; Chris Rabb aus Pennsylvania; und Melat Kiros aus Colorado. Laut der ADL-Abteilung in New York/New Jersey sieht die Organisation in der Wahl der neuen Kongressmitglieder «einen Wandel in der politischen Landschaft unserer Region». Die ADL trage «ernsthafte Bedenken hinsichtlich der DSA-Rhetorik und Positionen, die Antisemitismus normalisieren, die jüdische Volkszugehörigkeit leugnen oder die jüdische Teilnahme am öffentlichen Leben auf der Grundlage spezieller Lackmustests einschränken.»
ADL Midwest äusserte «ernsthafte Bedenken» über Daniel Biss und dessen Haltung zu Antisemitismus als Bürgermeister von Evanston, insbesondere über seine Weigerung zu einem Polizeieinsatz zur Räumung eines pro-palästinensischen Protest-Camps an der örtlichen Northwestern University Anfang 2024. Dies werfe «ernsthafte Fragen darüber auf, ob die Sicherheit, Würde und der gleichberechtigte Zugang jüdischer Studenten mit der nötigen Dringlichkeit behandelt wurden.» Die ADL erwarte von dem Nachkommen von Holocaust-Überlebenden, «dass er erkennt, wenn Rhetorik über Israel oder AIPAC in antisemitische Ausdrücke, kollektive Schuldzuweisungen oder Feindseligkeit gegenüber jüdischen Amerikanern übergeht».
Biss hat sich zusammen mit dem New Yorker Lander als Stimme der Israel-kritischen jüdischen Demokraten positioniert, und beide besuchten jüngst Michigan, um Bedenken jüdischer Demokraten gegenüber Abdul El-Sayed auszuräumen.
Biss wurde in den Vorwahlen massiv von AIPAC attackiert und von J Street unterstützt. Die Gruppe bezeichnet die neue Initiative der ADL als «Shanda» und Signal für Irrwege der Organisation (Link).