Iran-Krieg 26. Mär 2026

Abschied vom «Petrodollar»?

Analyse von Finanzexperten.

Seit den Preissteigerungen und den Verstaatlichungen von Förder-Unternehmen in arabischen Golfstaaten wie der saudischen ARAMCO in den 1970er Jahren, haben Exportländer diese Transaktionen in Dollars abgewickelt, die Einnahmen gesammelt und dann zu Investitionen oder Ankäufen von Technologie und Waffen in den USA und anderen, westlichen Ländern verwendet. Für dieses «Recycling» hat sich der Begriff «Petrodollar» eingebürgert.

Laut einer Analyse des Finanzdienstes «Morningstar» könnte eine «unbeabsichtigte Folge des laufenden Krieges gegen Iran das Ende des Petrodollar-Regimes sein». So habe die Welt grösstenteils Guthaben in Dollar gehortet, weil die meisten Staaten ihre Energie in Dollars bezahlt. Aber die faktische Schliessung der Strasse von Hormus und die davon verursachten Störungen könnten dazu führen, dass bedeutende Volkswirtschaften Öl in anderen Währungen handeln. Dies würde «die Vormachtstellung des Dollars in den Zentralbankreserven und im Welthandel ernsthaft untergraben».

Der Bericht zitiert dazu eine Expertin der Deutschen Bank namens Mallika Sachdeva, die argumentiert: Öl werde seit einem 1974 zwischen den USA und Saudi-Arabien geschlossenen Abkommen in Dollars notiert, in Dollars fakturiert und in Dollars abgerechnet. Das Königreich habe sich vor einem halben Jahrhundert bereit erklärt, seine Handelsüberschüsse in Dollar-Vermögenswerte zu investieren – im Gegenzug für Sicherheitsgarantien der USA. Bei diesen Vermögenswerten habe es sich zumeist um US-Staatsanleihen gehandelt.

Nun befinde sich die Welt im Wandel: Der Grossteil des im Nahen Osten geförderten Öls werde mittlerweile nach Asien verkauft – und nicht mehr an die USA, die inzwischen selbst zum Nettoexporteur aufgestiegen seien. Sanktioniertes iranisches und russisches Öl – zusammen täglich rund 13 Millionen Barrel Rohöl und damit etwa 14 Prozent des weltweiten Verbrauchs – werde bereits seit einiger Zeit «abseits der Dollar-Schienen» gehandelt. Die Saudis experimentierten derzeit mit Formen der Zahlungsabwicklung ausserhalb des Dollarsystems – wie etwa der «Project mBridge», die auf einer digitalen Zentralbankwährung basiert.

Sachdeva befürchtet, dass eine regionale Eskalation des Golfkonflikts amerikanische Sicherheitsgarantien für die nun von Iran ins Visier genommenen Golfstaaten in Frage stellen und einige dieser Länder dazu zwingen könnte, ihre vor allem in Dollar angelegten Ersparnisse aufzulösen. So verweist Sachdeva auf jüngste Berichte, wonach Tankern eine sichere Passage durch die Meerenge von Hormus zugesichert wurde – unter der Bedingung, dass die Zahlungen in Yuan abgewickelt würden: «Dieser Konflikt könnte als entscheidender Katalysator für die Erosion der Petrodollar-Dominanz und als Geburtsstunde des Petroyuan in die Geschichte eingehen.»

Dazu kommt laut der Expertin die Möglichkeit, dass mit der weltweit abnehmenden Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen – zugunsten heimischer Energieträger, erneuerbarer Energien und der Kernkraft – auch die Notwendigkeit von Dollarbeständen entsprechend zurückgehen könnte: «Eine Welt, die in den Bereichen Verteidigung und Energie autark wird, könnte zugleich eine Welt sein, die geringere Dollarreserven vorhält» (Link).

Andreas Mink