Zürich 17. Mär 2026

27-Jähriger wegen antisemitischer Vorfälle vor Gericht

Das Zürcher Bezirksgericht, wo sich der Angeschuldigte verantworten muss. 

Ein 27-Jähriger muss sich heute Dienstag wegen mehreren antisemitischen Vorfällen vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten.   

Der Schweizer soll orthodoxe Juden angegriffen haben und mit einem Messer vor einer Synagoge herumgeschlichen sein.
Der Mann leidet an psychischen Störungen. Die Staatsanwaltschaft verlangt für ihn deshalb eine stationäre Massnahme, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Schon nach seiner Verhaftung Mitte Dezember 2024 kam er in eine psychiatrische Einrichtung.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann drei Straftaten vor, die sich gezielt gegen Juden richteten. Am 8. Dezember 2024 habe er in Wiedikon auf offener Strasse einem "als Angehörigen der jüdischen Religionsgemeinschaft erkennbaren" Mann eine Ohrfeige gegeben.
Vier Tage danach sei der 27-Jährige frühmorgens unerlaubterweise auf das Areal einer jüdische Schule gelangt. Dort schlug er laut Anklage einen Schüler mit der Faust gegen ein Ohr. Direkt danach ging er zur nahen Synagoge, mit einem Küchenmesser in der Hand. Sicherheitsangestellte verfolgten ihn, der Mann flüchtete auf einem Roller. Die Polizei verhaftete ihn kurz danach.
Zwar hatten die Vorfälle eher geringe Folgen. Die Staatsanwaltschaft sieht aber eine klare Absicht: Der Beschuldigte habe gezielt jüdische Menschen zumindest schwer verletzen wollen und dafür auch das Messer mitgeführt. Sie klagt den Mann deshalb wegen strafbarer Vorbereitungshandlungen zu schwerer Körperverletzung, Diskriminierung und weiterer Straftaten an.
Wenige Wochen nach der Verhaftung sickerte durch, dass der Beschuldigte aus einer psychiatrischen Einrichtung entweichen konnte. Die Oberstaatsanwaltschaft bestätigte damals einen entsprechenden Bericht von "Tele Züri". 
Demnach sei der Mann kurz danach aufgefunden und in ärztliche Obhut übergeben worden. Im Gefängnis sass er gemäss Anklageschrift erst sechs Tage später wieder. 
Die Zahl der antisemitischen Übergriffe nimmt in Zürich seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem anschliessenden Gazakrieg zu. Dabei gehen Täter auch öfters orthodoxe Juden an, die wegen ihrer Kleidung klar erkennbar sind. 
Der schlimmste Vorfall war der Messerangriff eines 15-Jährigen, der einen damals 50-Jährigen orthodoxen Mann am 2. März 2024 lebensgefährlich verletzte.

Redaktion