Im Landesmuseum widmet sich eine neue Ausstellung dem Verhältnis der Schweiz zum Krieg und stellt dabei gängige Vorstellungen infrage. Unter dem Titel «Wir und der Krieg» wird gezeigt, wie stark kriegerische Auseinandersetzungen die Geschichte und das Selbstverständnis des Landes geprägt haben. Die Ausstellung spannt den Bogen vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart. Sie beleuchtet nicht nur bekannte Ereignisse wie den Sonderbundskrieg von 1847 oder die Bedrohungslage während des Zweiten Weltkriegs, sondern auch weniger präsente Aspekte wie wirtschaftliche Interessen oder gesellschaftliche Folgen. So wird deutlich, dass Krieg auch in der Schweiz Machtverhältnisse verschob, soziale Spannungen verstärkte und wirtschaftliche Profite ermöglichte. Zugleich zeigt die Ausstellung, wie stark der Krieg in identitätsstiftenden Erzählungen verankert ist, etwa im Mythos des Rütlischwurs. Auch innere Konflikte wie der Bauernkrieg von 1653 werden als Teil dieser Geschichte sichtbar gemacht. Ein zentrales Thema ist das Selbstbild der Schweiz als neutrales Land. Dieses prägt bis heute die Aussenpolitik und wird oft mit Friedensförderung verbunden. Die Ausstellung macht jedoch deutlich, dass Neutralität immer auch ein Spannungsfeld zwischen Bedrohung, Interessen und Handlungsspielräumen darstellt. Mit Objekten, Dokumenten und Videoinstallationen lädt «Wir und der Krieg» dazu ein, die Rolle der Schweiz im Kontext von Konflikten neu zu betrachten.
Bis Sonntag, 17. Januar 2027, Landesmuseum, Museumstrasse 2, Zürich.
www.landesmuseum.ch
Zürich
08. Mai 2026
Krieg als Teil der Geschichte
Emily Langloh