Wien 13. Mär 2026

Alles vergessen, alles ausgelöscht

Im Jüdischen Museum Wien ist die Ausstellung «Alles vergessen» zu sehen, die sich mit der Rolle des Vergessens in Geschichte und Gesellschaft beschäftigt. Ausgangspunkt ist der Holocaust-Gedenktag, der an die Befreiung von Auschwitz erinnert und zugleich den Versuch der Nationalsozialisten symbolisiert, nicht nur Menschen zu vernichten, sondern auch die Erinnerung an sie auszulöschen. Die Ausstellung untersucht Vergessen aus kulturhistorischer und jüdischer Perspektive. Während das Judentum häufig mit dem Gebot zur Erinnerung verbunden wird, stellt die Schau auch die Frage nach der anderen Seite: Kann Vergessen nur Verlust bedeuten oder manchmal auch Befreiung? Im Hebräischen stehen die Wörter für «Vergessen» und «Stärke» sprachlich nahe beieinander und verweisen auf diese doppelte Bedeutung. Anhand historischer Objekte, Dokumente und künstlerischer Arbeiten zeigt die Ausstellung, wie Erinnerung ausgelöscht, verdrängt oder bewusst übergangen wurde. Beispiele reichen vom Bann gegen den Philosophen Baruch de Spinoza über Dokumente aus der Waldheim-Affäre bis zu künstlerischen Arbeiten, die das Spannungsfeld zwischen Erinnern und Vergessen thematisieren. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems und wird dort nach ihrer Präsentation in Wien ebenfalls gezeigt.
Bis Donnerstag, 17. September, Jüdisches Museum Wien, Judenplatz 8, Wien.
www.jmw.at

 

Emily Langloh