Während «NAZA» bei den Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet wurde, stösst der Dokumentarfilm von Yuval Abraham und Rachel Szor in Israel auf heftigen Widerstand. Die Kritik reicht dabei weit über die Regierungskoalition hinaus. Ministerpräsident Binyamin Netanyahu sprach von «antisemitischer Hetze» aus den eigenen Reihen, Kulturminister Miki Zohar von «Verrat» und forderte eine Prüfung, ob den Filmschaffenden die israelische Staatsbürgerschaft entzogen werden könne. Auch Oppositionspolitiker wie Naftali Bennett, Avigdor Lieberman und Gadi Eisenkot verurteilten den Film. Mehrere ehemalige Hamas-Geiseln, darunter Rom Braslavski und Eliya Cohen, äusserten ebenfalls scharfe Kritik. «NAZA» basiert unter anderem auf anonymen Aussagen israelischer Armee- und Geheimdienstangehöriger über die Kriegsführung in Gaza. Die Armee weist die darin erhobenen Vorwürfe zurück; Generalstabschef Eyal Zamir liess mögliche rechtliche Schritte prüfen. Auch in israelischen Medien wird über die Belegbarkeit der anonymen Aussagen diskutiert. Gleichzeitig regt sich Widerstand gegen die scharfen Reaktionen auf die Filmschaffenden. Hunderte Vertreter der israelischen Filmbranche sowie Menschenrechts- und Friedensorganisationen stellten sich hinter Abraham und Szor. Die Kontroverse dreht sich damit längst nicht mehr nur um den Inhalt von «NAZA», sondern auch um Kunstfreiheit und den Umgang mit israelischer Kritik am Gaza-Krieg.
jerusalem
18. Sep 2026
Heftige Reaktionen
Emily Langloh